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Neuss: Neuss-Attraktion Haribo-Outlet

Neuss : Neuss-Attraktion Haribo-Outlet

Bei Maoam entsteht ein Ab-Werk-Verkauf, wo es das ganze Haribo-Programm auch für Privatkunden geben wird. Einige Händler sehen das Angebot mit Sorge, doch auch der Handel glaubt: Das zieht Menschen nach Neuss.

Ein Besuch im Werksverkauf der Firma Haribo ist in Bonn fester Bestandteil von Stadtrundfahrten, und ganze Busladungen aus allen Teilen Deutschlands kommen kommen zu Goldbär und Co. Eine solche süße Attraktion bekommt jetzt auch die Stadt Neuss, denn an der Jülicher Staße, wo Haribo die Maoam-Kaubonbons produziert, wird bis Anfang Oktober ein Outlet mit rund 600 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Und Erfahrungen an den anderen Werksverkäufen in Bonn und Solingen zeigen: Das wird ein Besucher-Magnet.

In "Gillberts Gummizelle" lässt die Nachricht vom Outlet Brigitte Verbeeten das Herz in die Hose rutschen. "Das wäre der Todesstoß", sagt die 58-Jährige, die bei ihrer Existenzgründung vor einem Jahr voll auf Fruchtgummi und Lakritz gesetzt hat. Sie ahnt nicht nur, was da auf sie zukommt — sie weiß es. Denn im Werksverkauf in Solingen war die ehemalige Versicherungsagentin Stammgast, dort kaufte sie sich die süßen Seelentröster, wenn sie sie von ihrem Job die Nase voll hatte. Ein Werksverkauf wie bisher, eingeschränkt und nur für Maoam-Bonbons, das hätte sie vielleicht überstanden. Aber ein süßer Vollsortimenter ...

Die Lebensmittelhändler sehen die Entwicklung gelassen. Zumindest Johannes Niehsen will das Sortiment in seinem Edeka-Markt nicht umstellen. Wer bei ihm einkauft, kommt nicht wegen Haribos Versuchungen — aber er nimmt die dann auch mit. Er sieht er auch Vorteile: "Vielleicht zieht das Kunden auch von weiter weg an — das wäre gut für die Region."

Frank Wolters vom Amt für Wirtschaftsförderung erwartet einen positiven Effekt aus der Ansiedlung, prognostiziert aber "keinen Massentourismus". Ob er Recht behält? Zu Haribo in Solingen kommen die Kunden von weither — manchmal zum Leidwesen der Anwohner, wenn am Wochenende und in den Ferien Parkplätze im weiten Umkreis um den Shop Mangelware sind. Und der Werkverkauf in Solingen ist kleiner als das für Neuss geplante Outlet, das von dann fünf Haribo-Shops Nummer zwei sein wird. Peter Rebig von Neuss-Marketing freut die Entwicklung. Bustourismus in dem Umfang wie in der Beethoven-Stadt Bonn kenne Neuss zwar nicht, doch, so Rebig, "wir verfolgen durchaus das Konzept, Industrie zu zeigen". Statt mit Kammervertretern zur Walzstraße in einer Aluminiumhütte könnte man darüber nachdenken, Privatleute zu Haribo zu bringen. Zumindest für bestimmte Zielgruppen und Arrangements könnten Goldbär und Co. eine interessante Komponente sein.

(NGZ/url/top)