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Neuss: Arzt hat Lehrer geimpft - waren noch nicht an der Reihe

Hitzige Diskussion um Restmengen : Neusser Arzt impfte Lehrer, die eigentlich noch nicht an der Reihe waren

Weil Impfstoff angeblich zu verfallen drohte, bestellte ein Arzt im Neusser Impfzentrum Lehrer ein, die eigentlich noch nicht an der Reihe waren. Das sorgt für Aufregung - insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Tochter des Arztes die Schule besucht, deren Lehrer nun vorzeitig geimpft wurden.

Im Impfzentrum wird nur versorgt, wer impfberechtigt im Sinne der geltenden Prioritätenliste ist. Dieses von der Kreisverwaltung mehrfach betonte Prinzip, das auch den Umgang mit allabendlich anfallenden Rest-Impfstoffen einschließt, gilt so nicht mehr. Zumindest eine Ausnahme wurde publik und sorgt für Aufregung, denn ein Teil des Kollegiums vom Erzbischöflichen Gymnasium Marienberg wurde Ostern mit dem Präparat Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus immunisiert – obwohl Lehrer weiterführender Schulen noch nicht an der Reihe sind. Nachdem einige der Geimpften diesen Erfolg auch noch in sozialen Medien publik machten, häufen sich auch bei Ärzten des Impfteams Anfragen und Beschwerden aus anderen Schulen: „Warum die – und nicht wir?“

Eine berechtigte Frage. „Ich wollte mir keinen Vorteil verschaffen“, versichert Schulleiter Tilman Latzel. Er betont, dass es sich bei der Reihenimpfung um keine offizielle (Schul)-Aktion handelte und man mehrfach nachgefragt habe, ob man diese Impfung annehmen kann. „Aber wenn der Anruf kommt, dann fährt man auch los.“

Bevor Latzel sich daheim in Alpen hinter das Steuer klemmte, hatte der Mediziner Guido Pukies, der an diesem Abend als Leitender Impfarzt Dienst tat, die Ausnahme zur Regel beschlossen. „Die Impfung von Lehrkräften des Marienberg-Gymnasiums ist ohne vorherige Kenntnis des Impfzentrums erfolgt“, versichert Kreissprecher Reinhold Jung auf Nachfrage. Und Pukies betont, alleine und aus der Situation heraus entschieden zu haben. Die Alternative wäre gewesen, Impfstoff wegwerfen zu müssen. Und das, so Jung, konnte bisher immer vermieden werden. An normalen Abenden bleiben maximal neun Impfdosen übrig, wenn alle Termine abgearbeitet sind. An jenem waren es deutlich mehr, denn das Impfzentrum hatte ein Biontech-Kontingent erhalten, das nach Pukies Darstellung unmittelbar vor dem Verfallsdatum stand. Erst seien Personen, die für Astrazeneca-Impfstoff einbestellt worden waren, auf Biontech-Pfizer gewechselt worden, dann habe man wie vorgeschrieben Impfberechtigte von einer Art Reserveliste zu erreichen versucht, um sie kurzfristig zu mobilisieren. Erst danach habe er Kontakt zu einer Lehrkraft der Schule aufgenommen.

Die Liste der Lehrer sei intern erstellt worden, aber ohne jede Erwartung, betont Latzel. Pukies erhielt sie, nachdem er im Gymnasium über das Thema Impfen informiert hatte. Mit anderen Schulen hätte er das genauso gemacht, sagt er. Dass nun in der Debatte ein Zusammenhang mit der Tatsache vermutet wird, dass seine Tochter das Marienberg besucht, nennt er „unter der Gürtellinie“.

Einen Kommentar zu dem Thema gibt es hier: Kostenpflichtiger Inhalt Kontrolle verloren?