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Neuss: Armin Jakobi dirigiert Spielmannszug beim Zapfenstreich in Berlin

Musiker aus Neuss in Berlin : Neusser leitet Zapfenstreich am Reichstag

Der Leiter des Musikvereins Holzheim dirigierte den Spielmannszug des Musikkorps der Bundeswehr beim Zeremoniell für die deutschen Soldaten in Afghanistan. Ein bemerkenswerter Auftrag in seiner 33-jährigen Laufbahn.

Protokollvertretung stand für diese Woche im Dienstplan des in der Brückberg-Kaserne Siegburg stationierten Musikkorps der Bundeswehr. Das hieß auch für den Spielmannszug unter Leitung von Oberstabsfeldwebel Armin Jakobi, einen von nur noch bundesweit zwei Klangkörpern dieser Art bei den Streitkräften: Dienstreise nach Berlin, zum Reichstag – und zur Gedenkveranstaltung für die Opfer und Teilnehmer des Afghanistan-Einsatzes. Für Jakobi ein besonderer Moment in seiner 33-jährigen Laufbahn beim Bund.

 Armin Jakobi leitet ehrenamtlich den Musikverein Holzheim.
Armin Jakobi leitet ehrenamtlich den Musikverein Holzheim. Foto: Musikverein Holzheim

Denn den Großen Zapfenstreich hatte der Berufsmusiker und Tambourmajor zuvor schon oft gespielt, nicht zuletzt mit dem Musikverein Holzheim, dessen künstlerischer Leiter er seit gut zwei Jahren ist. Aber an diesem Mittwoch galt das vom Fernsehen live übertragene militärische Zeremoniell keinem Schützenpräsidenten, für den die Holzheimer aufziehen würden, und auch keinem General oder Verteidigungsminister, ja, nicht einmal der Kanzlerin oder dem Bundespräsidenten, für den die Militärmusik der Bundeswehr üblicherweise antritt. Dieses Mal wurden mit höchsten Ehren jene 93.000 Männer und Frauen bedacht, die in Afghanistan gedient hatten und deren Mission mit dem Zapfenstreich nunmehr auch offiziell beendet ist.

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Dass Jakobi – in Nordhessen geboren, in Barrenstein heimisch und in Holzheim musikalisch engagiert – mit dem Spielmannszug gefordert sein würde, war seit einigen Wochen klar. Das Protokoll und der Ablauf des Zapfenstreichs stehen seit Jahrhunderten fest und gelten, so Jakobi, als „unumstößlich“. Doch der Rahmen war anders: Für alle Musiker galt die „2G-Regel“, aber erstmals seit Monaten musste nicht auf Abstände geachtet oder vor einem Stück das neu in die Vorschriften aufgenommene Kommando „Maske ab!“ gegeben werden. Denn, berichtet Jakobi: „Wir sind zum ersten Mal seit Februar 2020 wieder mit klingendem Spiel marschiert.“

Stellvertretend für alle Afghanistan-Veteranen nahmen eine Oberstabsärztin und ein Oberstabsfeldwebel der Panzergrenadiere, der 1700 Tage im Auslandseinsatz stand, den Großen Zapfenstreich ab. Das hatte es so noch nie gegeben. Denn der Kreis derer, denen die Truppe diesen protokollarischen Ehrendienst leistet, ist denkbar klein. In der Serenade, jenen drei Stücken vor dem eigentlichen Zapfenstreich, wurde auf den Einsatz musikalisch Bezug genommen. Nach dem Traditionsmarsch „1. Bataillon Garde“ und vor dem Marsch „Mit vereinten Kräften“ der ISAC-Einsätze gab es Musik aus der Serie „Band of Brothers.“ Jakobi: „Das war sensationell ausgesucht.“