Recycling-Startup Die „Schrottbienen“ fliegen weiter aus

Neuss · Ein Neusser Altmetall-Startup ist auf Expansionskurs: Die "Schrottbienen" wachsen und haben kürzlich ein neues Hauptquartier bezogen.

Die Schrottbienen sammeln bei ihren Kunden Altmetall ein und bringen es dann zu Wertstoffhöfen oder anderen Käufern, wo es wiederverwertet wird.

Die Schrottbienen sammeln bei ihren Kunden Altmetall ein und bringen es dann zu Wertstoffhöfen oder anderen Käufern, wo es wiederverwertet wird.

Foto: Schrottbienen

„Wir sind zu groß geworden“, erklärt Thilo Hamm den Umzug. Die Schrottbienen, ein 2020 von dem 40-Jährigen und seinen Partnern Sebastian Kopsan (38) und Florian Kriependorf (46) gegründetes Startup, sind aus ihren Räumlichkeiten im Neusser Hafen schlicht herausgewachsen und haben im Februar ihren neuen „Beehive“ in der Moselstraße bezogen.

Die Schrottbienen sind ein Unternehmen, das sich auf die Digitalisierung und Optimierung der Altmetallverwertung spezialisiert hat. Genau geht es dabei um den Schritt vom Kunden, der Metallschrott abzugeben hat, bis zum Wertstoffhof oder anderen Käufern. Die Schrottbienen können online, per Whatsapp oder Telefon bestellt werden und holen den Schrott innerhalb von 48 Stunden ab. Die Prozesse sind dabei vollständig digitalisiert: Eine eigens für die Koordination programmierte App zeigt den Fahrern die idealen Routen mitsamt Zwischenstopps bei verschiedenen Recycling-Partnern an. Ein besonderer Fokus liegt auf der sauberen Trennung der Metalle, um den Wert der Rohstoffe möglichst zu erhalten und eine nachhaltige Wiederverwertung zu ermöglichen. Wenn die Schrottbienen kommen, werden die Metalle direkt vor Ort gewogen und analysiert und außerdem – abhängig von Art und Menge – beim Kunden vergütet. „Das ist nicht nur etwas für Großkunden“, betont Hamm, „auch Privatkunden können, beispielsweise für Opas Zinnsammlung, ohne viel Arbeit eine Rückvergütung erhalten.“

Das Unternehmen wächst seit seiner Gründung stetig. Neben dem Hauptsitz der Firma in Neuss und ihrer Aktivität im Rheinland und Ruhrgebiet sammeln die Schrottbienen bisher auch Altmetall in Stuttgart, Mannheim, Frankfurt, Hannover und Hamburg. Die 50 Mitarbeiter und 23 Fahrzeuge haben bereits über 10.000 Abholungen von zahlreichen Privat- und etwa 350 Geschäftskunden organisiert. Das letzte Jahr war für das Startup der drei Co-Gründer allerdings auch mit vielen Herausforderungen verbunden, insbesondere die steigenden Energie- und Rohstoffpreise betreffen die Branche unmittelbar. „Da die Spritpreise steigen und die Schrottpreise sinken, haben wir unseren Fokus noch mehr auf Effizienz durch Technologie gelegt“, erklärt Hamm, daneben stehe auch die Nachhaltigkeit weiter im Mittelpunkt. Ein drittes Ziel der Schrottbienen sei zudem, „Transparenz in einen dafür nicht bekannten Markt zu bringen“, so Hamm. Es sei wichtig, Abnehmern zu zeigen, wo die Materialien herkommen und durch die direkte Erfassung der Metalle beim Kunden Rückverfolgbarkeit gewährleisten zu können; so könne man beispielsweise Stahlwerke befähigen, sogenannten „Green Steel“ herzustellen.

„Für die Zukunft ist zunächst eine weitere Expansion in Deutsche Ballungsgebiete geplant“, sagt Thilo Hamm. Man habe auch ein Auge auf andere Europäische Märkte, setze den Fokus für dieses Jahr jedoch auf die Expansion innerhalb Deutschlands. Unternehmensintern arbeite man weiter an der Fahrer-App und der logistischen Hintergrundarbeit, um sowohl effizienter zu werden als auch einen besseren Kundenservice bieten zu können, erklärt Hamm: „Es ist eine traditionelle Branche, in die wir all die Dinge bringen wollen, die man aus der Online-Welt kennt.“

(mabe)
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