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Neuss: Alte Post mit Jahresausstellung im XXL-Format

Kunst in Neuss : Alte Post mit Jahresausstellung im XXL-Format

Nach einer coronabedingten Pause ist die Traditionsveranstaltung im Kulturforum zurück – 127 Künstler zeigen ihre Arbeiten. Warum die Schau in jeder Hinsicht eine Besondere ist.

So groß war sie noch nie: Wenn am Sonntag, 5. Dezember, die traditionelle Jahresausstellung „Kunst aus Neuss“ in den Räumen des Kulturforums Alte Post eröffnet, sind dort Werke von 127 Kunstschaffenden mit Neusser Bezug zu sehen – das sind etwa drei Mal mehr als üblich.

Denn diese Jahresausstellung ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen, weil sie gleich zwei Veranstaltungen vereint. Im vergangenen Jahr musste die Schau coronabedingt abgesagt werden. „Das war bitter“, erinnert sich der Kurator Klaus Richter, „zwei Tage nachdem wir alle eingeladen hatten, mussten wir die Absage bekannt geben.“ Für ihn stand außer Frage, dass die 45 Einladungen bestehen bleiben. Aber damit nicht genug: Die Liste wurde um neue Künstler ergänzt, so dass ein guter Querschnitt der Neusser Kunstszene auf der 73./74. Jahresausstellung vertreten ist. Darunter sind bekannte Kunstschaffende – Heinz Gilges gehört mit seinen fast 90 Jahren zu den ältesten Teilnehmern –, aber auch Arbeiten von Newcomern, von  Künstler aus dem Aterlierhaus und Kunstförderpreisträgern der Stadt Neuss sind zu sehen. Auch Gastkünstlerin Sanne Vaassen aus den Niederlanden, die drei Monate lang in Neuss residierte und eine niederländische Flagge aufgeknüpft und neu verwebt hat, ist zu sehen.

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Die Schau ist aber auch deswegen etwas Besonderes, weil es die letzte Jahresausstellung ist, die Klaus Richter kuratiert hat: „Es ist wie ein Finale, das kann ich nicht mehr toppen“, sagt er, während er sich im Foyer umsieht. Porträts, Skulpturen und abstrakte Malereien empfangen dort die Besucher, im Bühnenraum gibt es eine Naturecke mit einer Installation von Axel Naß, Schmetterlinge von Melanie Stegemann und einer Sitzecke von Robert Wilmers, die um eine Säule drapiert wurden. An einer weiteren Wand lassen David Zepter, Simone Klerx und Alwina Heinz in ihren Arbeiten Strukturen aufbrechen, auf der Empore sind Collagen und Neusser Ansichten zu sehen, eine weitere Ecke ist der Streetart gewidmet mit Arbeiten von Oldhaus, KJ263 und Aura.

Während Richter für gewöhnlich assoziativ die Werke in den Räumlichkeiten anordnet, hat er sich in diesem Jahr mit der Kunstwissenschaftlerin Bianca Quasebarth, die ihn seit vier Jahren bei der Hängung unterstützt, eine Struktur überlegt, um eine Ordnung in die Auswahl zu bringen. Denn die Jahresausstellung ist vor allem auch ein Zusammentreffen: Es sind verschiedene Generationen, die dort ausstellen, vielfältige Stile und Objekte treffen aufeinander. So ist in der Alten Post sowohl Fotografie als auch Malerei, Zeichnungen oder Skulpturales vertreten.

Kulturdezernentin Christiane Zangs weiß um die Herausforderungen, ein derlei heterogenes Angebot ansprechend zu präsentieren: „Die Hängung ist eine Profession für sich, das ist eine eigene künstlerisch-geistige Leistung“, sagt sie und fügt hinzu: „Herr Richter hat aus der Jahresausstellung  ein Gesamtkunstwerk gemacht.“

Um der Fülle an Objekten gerecht zu werden, wurde der Vortragsraum des Kulturforums zum ersten Mal als Ausstellungsfläche genutzt: Dort sind unter anderem alle Arbeiten des Neusser Mappenprojekts „Wir“ zu sehen: Das Kulturamt hat nämlich zu Zeiten der Corona-Pandemie eine Werkedition mit Arbeiten von 17 Neusser Künstlern herausgegeben, die erworben werden kann. Bei der Gestaltung des Raums haben Richter und Bianca Quasebarth Unterstützung von Schülern der Klasse 13 der Gesamtschule an der Erft bekommen.

Wenn die Schau am Sonntag eröffnet wird, wird es anders als sonst keine Ansprache geben: Um die Besucher zu entzerren, wird draußen ein kleiner Kunst-Weihnachtsmarkt errichtet. Und noch eine Besonderheit ist geplant: Zum Ende soll eine Publikation erscheinen, die die vergangenen zehn Jahre der Jahresausstellung dokumentiert.