Neuss: Ailey II bei den Internationalen Tanzwochen.

Internationale Tanzwochen Neuss: Großartiger Tanz in einer beeindruckenden Lichtregie

Die jungen Tänzer der Company Ailey II begeisterten das Publikum in der ausverkauften Stadthalle bei den Internationalen Tanzwochen.

Mit der New Yorker Company „Ailey II“ haben die Internationalen Tanzwochen erneut für einen überragenden Festival-Abend gesorgt. Auf einer Welttournee durch 38 Städte machte Troy Powell für sein aktuelles Programm mit einem jungen farbigen Ensemble wieder Station am Rhein.

Bereits der erste Teil des zweistündigen Abends „Road to one“ brachte das gesamte Spektrum von purer Kraft, Artistik und Ballettkunst in perfekter Lichttechnik auf die Bühne. Mit einem Geflirre der Ausgelassenheit, einem Kinderspiel ähnlich, erschienen die zwölf Tänzer, um dann genauso schnell wieder zu verschwinden. Kurze Solos, dann ein Duett und eine Dreierformation zeigten deklinierte Gefühle, Spuren der Selbstvergewisserung und eine Prise Schwanensee. Dann wieder der Pantomime entlehnte Posen oder burleske, eckige Chaplinaden. Wie immer bei solchen Programmen lässt der Titel den Zuschauern Spielraum für eigene Interpretationen.

Einen atmosphärischen Wechsel brachte der zweite Teil mit dem Übertitel „Touch and agree“ und den Szenen „Waiting“ und „Cookie Jar“. Zur Musik von Sam Cookes „You send me“ erlebte man anfangs das Treffen zweier junger Männer mit zwei Stühlen und einem Kleiderständer. In beige-orangefarbener Kleidung beginnen Kyle H. Martin und Marcus Williams ein lustbetontes Duett, bis einer von Beiden plötzlich die intime Stimmung in eine feindliche wandelt. Ein Kampf beginnt, den wieder aufkeimende Lust aber schon bald wieder erstickt.

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Nur im Sound anders ist der folgende Auftritt von Corrin Rachelle Mitchell und Alisha Rena Peek. Lautlos zeigen die beiden Tänzerinnen ihr Begehren, verwickeln sich dann aber in Machtspiele. So könnte sich auch das reale Leben der sehr jungen Künstler abspielen. Sie sind zwischen 18 und 24 Jahren alt und haben eines der weltweit härtesten Auswahlverfahren erfolgreich absolviert. Bei „Ailey II“, also in der Tournee-Company der großen „Alvin Ailey American Dance“-Theaterorganisation haben sie einen Zwei-Jahres-Vertrag. Für die Besten winkt danach eine Übernahme in das Hauptensemble oder der Broadway.

Der dritte Teil des vom Publikum in der ausverkauften Stadthalle bejubelten Abends nennt sich „Breaking Point“ mit wilder sehr emotional gemischter Musik von „Audiomachine“. Das klingt wie ein Aufeinandertreffen von Stravinskys „Sacre du printemps“ und Carl Orffs „Carmina Burana“. Die Company trägt jetzt blau-schwarze Leotards, die im nebelverhangenen Licht besonders eindrucksvoll wirken. Überhaupt das Licht: Sehr wenig von oben, fast alles seitlich oder vom unteren Bühnenrand. Das lässt die muskulösesten Körper beinahe feenhaft erscheinen. Dazu alle Abgänge mit Fade-out: großartig.

Die Erfolgsgeschichte von „Ailey“ begann 1958. Damals brachte der junger dunkelhäutiger Choreograph Alvin Ailey sieben ebenfalls dunkelhäutige Tänzer auf eine Bühne in Manhattan. Schon bald wurde die Truppe zu einer Ikone des Modern Dance. 1974 wurde dann die heutige Organisation gegründet. Nicht nur in den USA gilt sie als Maßstab für die Förderung und solide Ausbildung junger Talente. Ihr aktueller Leiter Troy Powell hat selbst im Alter von neun Jahren seine Karriere in der Ailey-School gestartet.

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