61 Jahre zweiter Bildungsweg in Neuss Abschied vom erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kolleg

Neuss · 61 Jahre lang war das Friedrich-Spee-Kolleg ein Ort, wo junge Erwachsene eine zweite Bildungschance bekamen. Daran wurde am Freitag erinnert, als mit dem Wintersemester auch diese Schule schloss. So geht es dort weiter.

 Nach 61 Jahren Abschied vom erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kolleg (v.l.): Jörg Prieß (Leiter Theodor-Schwann-Kolleg), Kreis-Schuldezernent Tilmann Lonnes, Generalvikar Msrg. Guido Assmann und Norbert Keßler. Er wechselt nun ganz zum Gymnasium Marienberg des Erzbistums.

Nach 61 Jahren Abschied vom erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kolleg (v.l.): Jörg Prieß (Leiter Theodor-Schwann-Kolleg), Kreis-Schuldezernent Tilmann Lonnes, Generalvikar Msrg. Guido Assmann und Norbert Keßler. Er wechselt nun ganz zum Gymnasium Marienberg des Erzbistums.

Foto: Christoph Kleinau

Raum 125 im Friedrich-Spee-Kolleg an der Paracelsusstraße war für Norbert Keßler immer auch eine Art Schatzkammer. Dort wurden nämlich die Abschlussklausuren aller Absolventen verwahrt, die diese erzbischöfliche Weiterbildungseinrichtung des zweiten Bildungswegs mit dem Abitur in der Tasche verlassen konnten. 3691 Männer und Frauen waren es in der Geschichte des Hauses, die diese zweite Chance ergriffen und nutzten, erinnerte Keßler, neue kommen aber nicht mehr hinzu. Mit dem Ende des Wintersemesters schließt das Haus – nach gut 61 Jahren.

Die Entpflichtung Keßlers und die Versetzungsbescheide für die Lehrerinnen und Lehrer, die an anderen kirchlichen Schulen neu anfangen müssen, werden mit Ablauf des 31. Januar gültig. Der Abschiedsgottesdienst wurde aber schon am Freitag gefeiert und mit dem letzten der traditionellen Winterfeste im Schulatrium abgeschlossen. Er sehe die Traurigkeit und auch die Enttäuschung, sagte Generalvikar Guido Assmann, der die Schließung mit zu entscheiden hatte, im Gottesdienst. Aber er sehe auch die Hoffnung. Darauf, dass es weitergeht und das Gebäude des Spee-Kollegs ein gesegneter Ort bleibt.

Kostenpflichtiger Inhalt Mit dem 1. Februar wird der Rhein-Kreis Mieter der weiterhin kirchlichen Liegenschaft, in der das Theodor-Schwann-Kolleg eine neue Heimat finden soll. Es wechselt an dem Tag von der Stadt in die Trägerschaft des Kreises und übernimmt die Studiengänge und Studierenden des Spee-Kollegs. „Am 1. Februar rollen die Umzugswagen“, sagt Jörg Prieß, der das Schwann-Kolleg schon am Standort Derikum geleitet hat. Mit dem neuen Angebot „Abitur online“ beginnt am Abend des 5. Februar das nächste Semester. Erster Schultag in Präsenz wird tags drauf sein.

Die bewegte Schulhistorie des Spee-Kollegs ließ Thomas Pitsch, Bereichsleiter für Schulen und Hochschulen im Generalvikariat, Revue passieren. Er erinnerte an die schweren Anfänge im „baufälligen Kasten“ an der Breite Straße und den Umzug in den Neubau an der Paracelsusstraße im Herbst 1971. Zahllose neue Lebensperspektiven habe das Kolleg wachsen lassen, das sich um Studierende bemüht hat, „die das Bildungssystem fast aufgegeben hatte.“ Die Aufgabe des Abendgymnasiums im Jahr 1993 und der Umzug des erzbischöflichen Collegium Marianum, mit dem das Kolleg 43 Jahre lang eng zusammenwirkte, seien harte Einschnitte gewesen, doch hätte sich die Einrichtung wandelbar gezeigt, so Pitsch. So richtete sie, als 2015 Flüchtlinge in großer Zahl nach Deutschland kamen, für diese eine Abendrealschule ein – um ihnen eine Perspektive zu geben.

Einige schafften es sogar zum Abitur, sagt Keßler, der Abi-Entlassfeiern immer genoss: „Da materialisierten sich Träume.“ So ganz muss er darauf nicht verzichten, denn er bleibt in Neuss – als Leiter des Gymnasiums Marienberg

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