Neuss: 20 US-Fußballer trainieren an der International School on the Rhine

Talentprojekt an der ISR in Neuss : Der Traum von einer Profi-Karriere

20 US-Fußballtalente besuchen seit diesem Sommer für ein Jahr die internationale Schule ISR und trainieren dort mit Ex-Bundesligaspieler und Profitrainer Karsten Baumann. Ein Blick auf die ersten drei Monate des Projekts.

Sie sind endlich da. 20 Teenager aus den USA leben seit August in Neuss und Umgebung und besuchen die International School on the Rhine (ISR). Die meisten von 14- bis 15-Jährigen kommen aus Kalifornien und wurden von Mark Dillon, einem Fußballscout aus Amerika, für das Talentprojekt der Privatschule in Kooperation mit dem PSV Neuss ausgewählt. „Die Jungs machen uns sehr große Freude“, sagt Karsten Baumann, Ex-Bundesligaprofi und jetzt Fußball-Lehrer an der Internationalen Schule. „Der Transfer wurde gut bewältigt, die schulischen Leistungen sind super, die Schüler sind integriert und sportlich passt es auch“, sagt Baumann.

Das Förderprojekt soll es amerikanischen Nachwuchs-Kickern ermöglichen, ihrem Traum der Fußballkarriere ein Stück näher zu kommen. Das Tagesprogramm ist straff: Die Jungen sind in der 9. und 10. Klasse untergebracht und nehmen am englischsprachigen Unterricht teil. Danach steht eine Trainingseinheit auf dem Stundenplan. Fünf Mal die Woche stehen sie dafür auf dem neuen Kunstrasenplatz, der pünktlich zum Schuljahresbeginn von den US-Talenten eingeweiht wurde. „Der frühere Ascheplatz war uns lange Zeit ein Dorn im Auge. Durch die neue Sportanlage haben wir die Möglichkeit, bei jedem Wetter draußen zu trainieren“, sagt Baumann, der die Jungs selbst dreimal die Woche trainiert. Doch nicht nur die amerikanischen Austauschschüler profitieren vom Kunstrasen. Auch die restlichen Schüler der ISR und der PSV nutzen den Platz.

Das harte Training zahlt sich laut Baumann aus. Er muss es wissen, schließlich bestritt der 50-Jährige zu seiner aktiven Zeit 261 Bundesligaspiele unter anderem für den 1. FC Köln und Borussia Dortmund. Danach trainierte er Profivereine, bevor er an der ISR anfing zu unterrichten. Neben seinem Fachwissen kann er den jungen Talenten auch abseits ihrer Trainingszeiten wertvolle Tipps für eine erfolgreiche Fußballerlaufbahn geben.

Denn jeden Tag Training bedeutet wenig Freizeit. „Die Zeit, die ihnen bleibt, ist vollgestopft mit Hausaufgaben und Lernen. Aber die Jungs haben das Ziel, sich sportlich zu verbessern und arbeiten hart dafür“, sagt Baumann. Der Fokus auf den Sport diene den vielen anderen Schülern als Vorbild, so Baumann: „Es vermittelt, wie man sich Ziele setzt und diese verfolgt.“

Die ersten Ziele beim PSV sind schon erreicht: Die Jungs haben sich für die Kreisklasse qualifiziert und sind im Kreispokal eine Runde weiter gekommen. „Es ist schon außergewöhnlich, wenn der PSV eine B-Jugend aus dem Hut zaubert, die dann auch noch richtig gut ist“, sagt Baumann. Neben dem normalen Spielbetrieb beim PSV werden den Jugendlichen Freundschaftsspiele gegen Nachwuchsmannschaften von Fußballvereinen wie Schalke 04 ermöglicht. Die Spiele seien etwas rauer, aber die Kicker aus den Staaten schlagen sich gut. „Teilweise sind wir auf Augenhöhe, aber die Ergebnisse stimmen noch nicht. Daran wollen wir mit mehr Spielpraxis arbeiten“, sagt Baumann.

Ein bisschen Abwechslungsprogramm zum Kennenlernen der deutschen Kultur darf dann aber doch nicht fehlen. Am Donnerstag haben sich die Austauschschüler den Martinsumzug an der ISR angeschaut. Mit Weihnachten und Karneval kommt nun eine spannende Zeit auf die Jungs zu. Nur zum Schützenfest dürften sie es nicht mehr schaffen. Denn die Heimreise ist zum Schuljahresende im Juni geplant.

Baumanns Resümee nach nur drei Monaten im Talentprojekt ist überaus positiv: „Es läuft so gut, das hätten wir uns besser nicht vorstellen können“, sagt er. Man denke bereits darüber nach, das Projekt jährlich weiterzuführen. Scout Mark Dillon ist in Amerika schon im Auswahlprozess für den nächsten Jahrgang.

Für die Zukunft wolle man sich organisatorisch verbessern und die Gastfamilien früher vermitteln. Da diese aber nicht alle in einem Ort wohnen, ist der Transport zur Schule und nach dem Training wieder zurück anfangs eine Herausforderung gewesen. Das müsse noch optimiert werden, so Baumann. Fest steht: „Die Jungs aus Amerika sind eine absolute Bereicherung für unsere Schule.“

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