Neuss/Düsseldorf: Neuneinhalb Jahre Haft nach Obdachlosen-Mord

Neuss/Düsseldorf: Neuneinhalb Jahre Haft nach Obdachlosen-Mord

Mit langjährigen Gefängnisstrafen ist am Düsseldorfer Landgericht der Prozess um die Ermordung eines obdachlosen Flaschensammlers zu Ende gegangen. Die zuständige Jugendkammer verurteilte jetzt den 18-jährigen Hauptangeklagten wegen Mordes zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe, ein 38-jähriger Komplize kam wegen Totschlags mit neun Jahren Haft davon.

Der 59jährige Vietnamese war nachts im März 2011 auf dem TÜV-Gelände neben dem VfR-Platz erschlagen worden. Beide Männer hatten im Prozess die Tat gestanden. Eine Überraschung war das Urteil letztlich nicht — beide Angeklagte waren von ihren Anwälten auf eine lange Strafe vorbereitet worden.

"Beim Sterben zugesehen"

Laut Gericht war jüngere der beiden Angeklagten der Initiator der Tat. Er habe den Flaschensammler vor dem Mord beraubt und ihm Geld weggenommen. Später habe er sich dann entschlossen, den 59jährigen zu töten."Er wollte verhindern, dass das Opfer ihn bei der Polizei anzeigt", so die Vorsitzende Richterin. Deshalb habe er mit einem Holzpfahl immer wieder brutal auf den schlafenden Mann eingedroschen — solange, bis der Vietnamese nur noch röchelte.

Auch der 38jährige Komplize habe sich an der Tat beteiligt. "Allerdings war er nur Mitläufer, er hatte kein Mordmotiv und war obendrein noch stark angetrunken", so Staatsanwalt Christoph Kumpa. Letztlich hätten beide den schwerstverletzten Mann seinem Schicksal überlassen. "Sie haben ihm beim Sterben zugesehen", so die Richterin. Anschließend seien beide mit der Bahn nach Venlo gefahren, um hier Drogen zu konsumieren. Bei ihrer Rückkehr nach Neuss seien sie dann von der Polizei festgenommen worden.

"Es tut mir wahnsinnig leid"

Während sich der 18jährige Hauptangeklagte in seinem letzten Wort nicht mehr äußern wollte, ergriff sein Komplize noch einmal die Gelegenheit, um sich zu entschuldigen. "Es tut mir wahnsinnig leid", erklärte der 38jährige, der bereits seit 17 Jahren Alkoholiker ist und in verschiedenen Obdachlosenheimen gelebt hat, "ich möchte mich bei den Hinterbliebenen entschuldigen. So etwas wird nie wieder vorkommen."

Für ihn ordnete das Gericht nach der Verbüßung von mehreren Jahren im Gefängnis die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. "Jetzt liegt es an Ihnen, was Sie daraus machen", meinte die Richterin, "wenn Sie vom Alkohol loskommen, kann anschließend der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden." Sein Anwalt hatte mit sechs Jahren und 10 Monaten Haft deutlich weniger gefordert, als letztlich vom Gericht verhängt worden war.

Ausländerhass kein Motiv der Tat

Der Anwalt des 18jährigen war mit dem Urteil dagegen zufrieden. Sein Ziel war es gewesen, eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht zu erreichen und eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhindern. Ausländerhass soll bei der Tat indes keine Rolle gespielt haben. Der 18jährige Hauptangeklagte hatte im Prozess eingeräumt, zwei Hakenkreuz- und Hitler-Tätowierungen auf der Brust zu tragen, Ausländer seien für ihn "Kanacken". "Es war trotzdem Zufall, dass das Opfer Ausländer war", so Verteidiger Michael Rost. Er und sein Kollegen können gegen das Urteil noch Revision einlegen. In diesem Fall müsste sich der Bundesgerichtshof damit befassen.

(rc/jco/rl)
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