Neuss: Neujahrsschwimmen in eisiger Erft

Neuss : Neujahrsschwimmen in eisiger Erft

Bei kalten null Grad haben sich 60 kälteresistente Schwimmer und Taucher zum Neujahrsschwimmen in die Erft gewagt.

Der Atem dampft, die Lippe zittert unkontrolliert. Als letzte Stärkung schiebt sich Lisa Strusch ein Stück Mürbchen in den Mund. Am Körper trägt sie nur einen Neoprenanzug, der mit Kapuze und bis übers Kinn gezogen möglichst viel Haut abdecken und sie so warmhalten soll. Schließlich wartet die 18-Jährige auf den Beginn eines eiskalten Abenteuers.

Am gestrigen Sonntag nimmt sie zum ersten Mal beim Neujahrsschwimmen der Neusser Wasserwacht teil. Zusammen mit 60 anderen Käteresistenten will Strusch die Erft von der Erprather Mühle bis zum Sportplatz in Grimlinghausen durchqueren. Anfang Januar, bei einer Außentemperatur von null Grad ins kaum wärmere Erft-Wasser steigen? Jeder Normalsterbliche reagiert auf so eine Idee mit nur einer Frage: Warum?

"Das muss man auf jeden Fall mal gemacht haben", sagt Strusch. Und ihre Freundin Leonie Schmitz (20) gibt zu: "Es war auch noch etwas wärmer draußen, als wie uns dafür entschieden haben." Begleitet werden die beiden jungen Frauen von Andrea Schneider. Die 19-Jährige geht immerhin zum zweiten Mal beim Neujahrsschwimmen an den Start. Erfahrene Schwimmerinnen sind die drei Freundinnen als aktive Mitglieder der Neusser Wasserwacht natürlich sowieso.

Dann nimmt Detlef Rohr das Megafon in die Hand. Der Fördervereins-Vorsitzende der Wasserwacht begrüßt alle Teilnehmer. Darunter Gäste aus dem rheinland-pfälzischen Cochem an der Mosel. Die hatten am Samstag ihr eigenes Neujahrsschwimmen. "Da war es draußen Minus vier Grad, das Wasser hatte 1,5 Grad und wegen zu geringem Wasserstand gab es keine Strömung. Ihr seht, wie gut ihr es hier habt", sagt Rohr.

In der Tat können sich die Schwimmer dank der Strömung in der Erft streckenweise einfach treiben lassen. Mit nur knapp über acht Grad ist die Erft aber auch kälter als in den Vorjahren. Eigentlich ist sie ja vom eingespeisten Grundwasser aus dem Tagebau Garzweiler aufgewärmt. "Der Spaß-Faktor ist wichtig", sagt Rohr. Aber es sei auch eine Form der Übung für die Einsatzkräfte. Und nicht zu vernachlässigen. Mit DLRG, Feuerwehr und Wasserwacht halten hier die wichtigen Hilfsorganisationen einen guten Kontakt zueinander aufrecht. "Das ist ganz wichtig. Im Katastrophenfall müssten wir ja Hand in Hand arbeiten", sagt er.

Dann gehen die Schwimmer ins Wasser. Lisa Strusch und Leonie Schmitz sieht man die Kälte schon an. Im Pinguin-Gang watscheln sie ins Wasser. Schäkern dann etwas mit befreundeten Schwimmern. Bald spritzen sie sich gegenseitig nass. Im Treibgut finden zwei Männer einen Fußball, den sie sich zuwerfen. Dann posieren alle für ein Erinnerungsfoto und schwimmen los. Am Kinderbauernhof und an Gut Gnadental geht es kurz aus dem Wasser. Es gibt Tee und Glühwein. Lisa Strusch ist schon dort total zufrieden. "Es macht echt Spaß", sagt sie. "Eine gute Erfahrung. Aber es ist auch verdammt kalt. Ob ich das nochmal mache, weiß ich noch nicht." Dann geht sie schnelle wieder ins Wasser. Am Ziel warten schließlich schon eine Erbsensuppe und vor allem die ersehnte warme Dusche

(NGZ)
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