Neujahrskonzert in Neuss mit der Kammerakademie unter Christoph Koncz

Neujahrskonzert in Neuss : Konzertpublikum beweist italienisches Temperament

Die Deutsche Kammerakademie sorgt unter dem Dirigat von Christoph Koncz für ein mitreißendes Neujahrskonzert.

Das Jahr 2020 steht ganz im Zeichen des Musiktitanen Ludwig van Beethoven. Die Klangwelt feiert seinen 250. Geburtstag. Erstmals dirigierte beim Neujahrskonzert der Stadt Neuss in der vollkommen besetzten Stadthalle der Österreicher Christoph Koncz, seit kurzem Chefdirigent, die Deutsche Kammerakademie Neuss am Rhein (DKN).

Sein äußerst präzises Dirigat konnte man gleich bei Beethovens Ouvertüre zu seiner einzigen Oper „Fidelio“ bewundern: Das innige Thema des Anfangs trug er zur stürmischen Siegeshymne mit knackigem Ende empor. Einzigartig war Beethovens „Romanze für Violine und Orchester“, denn die Solistin war Isabelle van Keulen, seit 2017 künstlerische Leiterin der DKN. Perfekt inszenierte sie das kurze Rondo im Wechsel mit variationsreichen Abschnitten Wer es bis dato noch nicht wusste, dem wurde klar: Dieses Duo aus Chefdirigent und künstlerischer Leitung ist ein Glücksfall für die auch international bedeutende Neusser Kammerakademie.

Der Kölner Moderator Daniel Finkernagel, der einmal mehr kundig und unterhaltsam das Konzert begleitete, hatte die gesangliche Romanze als „Liebeserklärung an Musik und Hören“ beschrieben und ließ zur Einstimmung Konzertmeisterin Fenella Humphreys innigst den aufgegangenen Mond intonieren.

Nun war ja Neujahrskonzert, deshalb musste Johann Strauß (Sohn) sein. Die große Orchesterbesetzung (auch mit Harfe) kostete Christoph Koncz beim „Kaiserwalzer“ meisterhaft aus, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ gelang auch beim sehr schnell gewählten Tempo makellos. Den eher unbekannten Wiener Walzer „Wo die Citronen blüh’n“ hatte Johann Strauß 1874 für eine Italienreise geschrieben. Es schien so, als wäre der üppige Blumenschmuck in der Stadthalle von diesem Titel inspiriert worden.

Italienisches Temperament hatte auch das Publikum, das bei Beethovens „Symphonie Nr. 5 c-Moll“ – beispiellos, ja sagenhaft interpretiert und vom Orchester ebenso aufgeführt – nach jedem der vier Sätze begeistert applaudierte. Diese populärste Sinfonie - weil in ihrer Sprache und Klarheit so überzeugend - wird am 13. Juni erneut in der Stadthalle zu hören sein. Und auch dann geschieht Einzigartiges: Die DKN wird zusammen mit „Sinfo!“, dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule der Stadt Neuss, spielen.