Neuss: Neues RLT-Motto: "Kämpfen!"

Neuss: Neues RLT-Motto: "Kämpfen!"

Zwölf Premieren umfasst der Spielplan des Landestheaters in der nächsten Spielzeit, die am 5. September mit einem großen Theaterfest startet. Außerdem wird das Zehnjährige der Bühne an der Oberstraße gefeiert.

Gemessen an den Nachfragen aus Abstecherorten werden die Stücke "Cabaret", "Kaspar Häuser Meer" und "Gegen die Wand" im RLT die Renner der nächsten Theatersaison sein. Den Spielplan für 2010/11 haben Intendantin Bettina Jahnke und ihr Team traditionsgemäß schon bei der gemeinsamen Präsentation aller Landestheater vorgestellt, "und an diesen dreien gab es sofort ein großes Interesse", sagt sie.

Noch eines haben die Titel gemeinsam: Sie sind allesamt preisgekrönt. "Cabaret" bekam als Film mit Liza Minelli acht Oscars, "Kaspar Häuser Meer" von Felicia Zeller wurde 2008 bei den Mühlheimer Theatertagen mit dem Publikumspreis bedacht, und der Film "Gegen die Wand" war 2004 der Berlinale-Jury der Goldene Bär wert.

Dass die letztgenannte Produktion ab März 2011 im RLT zu sehen ist, ist für Jahnke ein kleines Highlight. Filmemacher Fatih Akin, der für seinen Kinofilm von Armin Petras zwar eine Theaterfassung hat erarbeiten lassen, war anfangs wohl skeptisch: "Aber wir haben es geschafft, uns zu einigen", erzählt die Intendantin sichtbar zufrieden. Am liebsten hätte sie dafür auch die Regie übernommen, ist aber am eigenen Zeitplan gescheitert.

Denn mit zwei Inszenierungen ist die Theaterchefin ausgelastet; sie hat sich für "Cabaret" (20. November), und "Gespenster" von Henrik Ibsen entschieden. Vor der "Cabaret"-Premiere ist zudem ein Festakt geplant, mit dem das Team den vor zehn Jahren erfolgten Einzug der Bühne ins neue Haus feiern will. "Und nach der Premiere gibt's eine rauschende Party", verspricht Jahnke. Eine Ausstellung soll visuell erinnern; Wegbegleiter des RLT sollen von der Zeit erzählen.

Insgesamt stehen 2010/11 wieder zwölf Premieren auf dem Programm. Eine Zwille, eine Katschi, wie die in Rostock aufgewachsene Jahnke sagt, also eine Schleuder steht für das neue Motto, das sich für die Intendanz als Konsequenz aus dem aktuellen "Träumen!" ergibt: "Kämpfen!" im Sinne von "aufbegehren und ein bisschen Anarchie im Kleinen". Dazu passen nach Ansicht des RLT-Teams Klassiker wie Schillers "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", die "Orestie" von Aischylos, Oscar Wildes Komödie "Ein idealer Gatte" und "Viel Lärm um nichts" von Shakespeare.

Die erste Uraufführung des Teams markiert "2050 – Ein Tag im November" von Lorenz Hippe für Zuschauer ab 13 Jahren. "Die zweite Prinzessin" von Gertrud Pigor bringt das Thema Vierjährigen nahe, und das Märchen "Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen" der Brüder Grimm kommt zur Weihnachtszeit auf die Bühne (ab sechs Jahren). Ein Balladenabend nähert sich dem Spielzeit-Thema musikalisch.

Bei den Regisseuren gibt es ein Wiedersehen mit Torsten Duit (aktuell: "Die Ratte"), mit Edda Klepp ("Alle Kühe fliegen hoch"), mit Catharina Fillers ("King A"), aber auch mit Andre Sebastian, der unter Jahnke-Vorgängerin Ulrike Schanko "Der gute Mensch von Sezuan" inszenierte und jetzt den Spielzeitauftakt mit Schiller verantwortet.

Das Begleitprogramm bleibt laut Chefdramaturgin Barbara Noth eine Mischung aus Bewährtem und Neuem. Die "Late Night" soll ihren Erfolgsweg fortsetzen, die Schülertheaterwoche und das zentrale Vorsprechen wird es weiterhin geben. Neu ist eine Reihe zum Thema "Literatur und Kulinarik" – bei Käse und Wein aus dem Themenland.

(NGZ)