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Neuss: Neuer Posten für Orchesterchef

Neuss : Neuer Posten für Orchesterchef

Lavard Skou-Larsen bleibt Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie, aber übernimmt in gleicher Funktion noch das Georgische Kammerorchester. Für Neuss hat er ein Programm mit lauter Diven konzipiert.

Im Leben von Lavard Skou-Larsen kommt keine Langeweile auf. Nicht nur, weil der Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie (dkn) die Arbeit mit seinem Orchester in Neuss, dessen Gastspielreisen und mit seinen eigenen Gastdirigaten sowie seiner Lehrtätigkeit am Salzburger Mozarteum unter einen Hut bringen muss. Nein, jetzt ist da noch jemand, der seine Aufmerksamkeit wünscht: Sohn Laurits, gute zehn Wochen alt, in Bayonne, dem Wohn- und Arbeitsort von Mutter Emmeline Pierre, geboren. "Zu Mozart, C-Dur, erster Satz, KKV 467", wie der strahlende Vater umgehend erklärt. Mutter und Vater Geiger, zu Mozart-Klängen geboren — das muss doch wohl ein Musiker werden? "Mal abwarten", sagt der frischgebackene Vater amüsiert, "und vielleicht wird er später ja ein Punkrocker."

Und als ob die Pendelei zwischen Salzburg, dem Wohnsitz seiner Familie in Bayonne und der Arbeit in Neuss noch nicht genug wäre, wird auch in Ingolstadt seine Anwesenheit erwartet. Denn Lavard Skou-Larsen wurde zum Chefdirigenten des Georgischen Kammerorchesters gewählt. Unter 133 Bewerbern hat er sich durchgesetzt, wobei der erklärte Gegner von Wettbewerben nicht selbst angefragt hatte, sondern aufgefordert worden war. Nun macht es ihn schon stolz, dass die Wahl der Musiker auf ihn gefallen ist, aber er betont auch: "Das wird meine Arbeit mit der dkn nicht beeinträchtigen." Er ist sich sicher, dass er die 30 bis 35 Konzerte in Ingolstadt und Umgebung mit den rund 25 der dkn kombinieren kann. "Zumal da ich in Ingolstadt höchstens die Hälfte selbst dirigieren werde."

Salzburg fällt für die dkn aus

Als Chefdirigent wird er jedoch das Programm zusammenstellen müssen. Jenes für die kommende Saison in Neuss ist allerdings längst eingetaktet. "Diva" ist der Obertitel, denn Skou-Larsen stellt in der Saison 2011/12 Solisten in den Mittelpunkt. Den Schlagzeuger Peter Sadlo zum Beispiel, die Flötistin Cecilia María Muñoz, die eigene Konzertmeisterin Fenella Humphreys oder so junge und hochtalentierte Musikerin wie Prisca Benoit (Klavier) und Priya Mitschel (Violine). "Jeder, der voll und ganz für seine Kunst kämpft und sich nicht unterkriegen lässt" — so möchte Skou-Larsen die Definition von "Diva" begriffen wissen und fragt mehr verschmitzt: "Sind wir nicht alle ein bisschen Diva?" Aber natürlich passt es da auch ganz gut, dass zum Beispiel die Geigerin Priya Mitchell gerne barfuß spielt. Zu den in Neuss geplanten neun Konzerten (sechs Abo- und drei Sonderkonzerte) kommen um die 15 in anderen Städten dazu. Zum ersten Mal gibt die dkn auch ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle. Daran hatte schon der frühere Intendant Matthias Gawriloff gearbeitet, und sein Nachfolger in der Organisation, Orchestermanager Martin Jakubeit, freut sich, dass die Verhandlung mit Tonhallen-Intendant Becker nun erfolgreich war.

Zur Sommerakademie nach Salzburg wird die dkn nicht reisen. "Dort sind die Zuschüsse reduziert worden, und wir müssten draufzahlen", erklärt Jakubeit, hofft aber, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Die Abonnentenzahl bleibt stabil. Nachdem die dkn in der vergangenen Saison 25 Prozent zugelegt hatte, sei mit einer nennenswerten Steigerung auch nicht zu rechnen gewesen, sagt der Orchestermanager. Und dennoch ist er zufrieden, denn mit über 300 festen Zuhörern hat das Orchester in Neuss eine stabiles Stammpublikum.

(NGZ)