Neuss: Neuer Personalausweis macht Probleme

Neuss : Neuer Personalausweis macht Probleme

Viele Anwendungs-Versprechungen, die vor acht Monaten mit dem Start des e-Personalausweises gemacht wurden, haben sich nicht erfüllt. Mitarbeiter der Stadt klagen jetzt über den großen bürokratischen Aufwand.

Bei seiner Einführung im November 2010 galt er als ultimativer Schlüssel zum Eintritt das digitale Zeitalter. Die große weite Welt der elektronischen Medien sollten mit wenigen Klicks und per Chip auf dem neuen, elektronischen Personalausweis erschlossen werden.

Nach acht Monaten ist von dieser Euphorie nichts übrig geblieben. Zumindest nicht in Neuss. "Ein großer Teil der Ziele, die den e-Personalausweis beim Start begleiteten, wurden nicht erreicht", sagt Stefan Hahn, zuständiger Dezernent in Neuss. Nach seiner Ansicht haben offenbar die Marktgesetze einige dieser Vorhaben der weltweiten Verbindungen scheitern lassen.

Einige Beispiele: Die verbindliche elektronische Signatur gibt es entgegen der Versprechungen bei der Einführung nicht oder nur mit hohem technischen Aufwand. Dabei ist gerade sie der Schlüssel für weit reichende Anwendungsgebiete im Geschäfts- und rechtsverkehr.

Im Internet-Angebot für die neuen Ausweise blieben nur wenige Anbieter übrig. Zum Start hatten insgesamt 231 Partner eine Pilotphase begonnen — nur wenige bleiben übrig. "Es gab zu viele offene Fragen etwa zum Datenschutz", ließ eine Düsseldorfer Fluggesellschaft verlauten und lehnte den Ticketverkauf über den "ePerso" ab. Nicht einmal 50 Unternehmen und Behörden sollen sich die neuen Ausweis-Funktionen gesichert haben. Schließlich bietet der Ausweis keinen Zugang für Mac-Apple. Daran wird allerdings jetzt mit Hochdruck gearbeitet. Eine Lösung ist noch für diesen Sommer in Aussicht gestellt.

Christoph Noeppel, Abteilungsleiter des Neusser Bürgeramtes Neuss, kennt andere Schattenseiten des "e-Perso": "Wir haben einen enorm höheren bürokratischen Aufwand."

War der Antrag auf einen neuen Ausweis bis Oktober nach den behördeninternen Vorgaben in sieben Minuten erledigt, so brauchen er und sein Team heute allein 22 Minuten für die Pflicht-Erläuterungen über den freiwilligen Fingerabdruck, den im übrigen in Neuss nur jeder Zweite zulässt. Bei 9139 Ausweisen, die in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Neusser Rathaus ausgestellt wurden, summieren sich die Zeiten.

An diesen Zahlen lässt sich übrigens kein besonderer "Run" auf die Ausweise ablesen. Hinzu kommen aufwändige technische Prüfungen der elektronischen Ausweise. So müssen die Dokumente vor dem Aushändigen noch einmal gecheckt werden. Noeppel: "Da kann es zu Wartezeiten im Bürgerbüro kommen."

Eingeschliffen haben sich dagegen die Wege von und zur Bundesdruckerei in Berlin: Der Bürger kann binnen drei Wochen mit seinem neuen "e-Perso" rechnen.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Gebühren für den neuen Personalausweis

(NGZ/rl)