Neue Struktur im Rathaus der Stadt Neuss

Neues Amt für Digitales : Neusser Rathaus muss bei Chefs noch aufforsten

Mit Wirkung zum 1. März ändert sich einiges im Rathaus. Der Geschäftsverteilungsplan liest sich gut, verdeckt aber einige „Baustellen“. So sind im Umweltdezernat Führungspositionen nicht besetzt. Das Gerüst fehle, sagen die Grünen.

Amtsleiter war gestern. In Zeiten, in denen in der Wirtschaft Leitungsfunktionen nur noch mit Management-Bezeichnungen aus dem englischen Sprachraum benannt werden, legt die Stadtverwaltung nach. Der Bürgermeister bleibt zwar Bürgermeister und wird nicht etwa „Head of representation“, doch die Leitung des früheren Hauptamtes (Amt 10) soll einem CDO anvertraut werden, einem Chief Digital-Officer. Die Stelle ist ausgeschrieben – und mit dieser Chiffre noch die Ausnahme.

Als CDO soll der oder die neue Führungskraft, deren Salär nur knapp unter den recht komfortablen Beigeordneten-Gehältern liegt, das zum 1. Mai neu geschaffene Amt für Verwaltungsdigitalisierung leiten. Ein Amt mit Querschnittsfunktion, um die Bemühungen der Verwaltung, ihre Arbeit und ihre Dienstleistungen an die neuen technischen Möglichkeiten anzupassen. Darüber hinaus wirkt das Amt, das dem Dezernat des Beigeordneten Holger Lachmann zugeordnet ist, auch intern im Sinne eines Verwaltungsmanagements.

Mit der Schaffung eines CDO setzt Bürgermeister Reiner Breuer auch einen Wunsch des Rates um. Aus dessen Mitte – namentlich aus den Reihen der Sozialpolitiker – kam zudem die Anregung, der Förderung des Ehrenamtes durch Beauftragung eines Ehrenamtsbeauftragten eine feste Adresse im Rathaus zu geben und damit für alle Vereine und Verbände einen klaren Ansprechpartner zu benennen. Mit dieser Aufgabe wird sich Frank Derichs neben seinen Aufgaben als persönlicher Referent des Bürgermeisters beschäftigen. Alle Wünsche aber erfüllt der Bürgermeister nicht. So drängt Michael Klinkicht, Fraktionsvorsitzender der Grünen, vergeblich darauf, die Aufgabe „Grünrahmen-Planung“ wieder dem Umweltdezernat von Matthias Welpmann zu übertragen. Klinkichts Begründung war: „Das hat beim Thema Jostensbusch nicht funktioniert“ – wo sich sogar eine Bürgerinitiative gebildet hat. Doch der Verwaltungschef blieb hart.

Die neue Verwaltungsstruktur, die ab dem 1. März gelten soll und eben auch ein Amt für den CDO ausweist, verdeckt in der Papierform auch einige Baustellen. Die tun sich derzeit vor allem im Umweltdezernat auf, denn bei den städtischen Friedhöfen aber auch im neu zugeschnittenen Amt für Stadtgrün, Klima und Umwelt sind Leitungsfunktionen vakant. „Es gibt kein Gerüst mehr“, sagt Ingeborg Arndt (Grüne), der auch zu Ohren gekommen ist, dass bei den Grünkolonnen der Abgang erfahrener Vorarbeiter verschmerzt werden muss.

An alledem werde gearbeitet, antwortet Pressesprecher Peter Fischer, dessen Presse- und Informationsamt gemeinsam mit dem Amt für „Rats-, Bezirks- und Bürgerangelegenheiten“ im neuen Bürgermeisteramt aufgegangen ist. Die kaufmännische Leitung der Friedhöfe sei intern ausgeschrieben und auch ein Leiter für die Abteilung Stadtgrün, der zugleich Vertreter von Amtsleiterin Henrieke Mölleken wäre, werde aktuell gesucht. Das Verfahren laufe.

Abgeschlossen ist dagegen inzwischen die Suche nach einem neuen Klimamanager für die aufgelöste Stabsstelle „Klimaschutz und Klimaanpassung“. Diese wurde nach Ausscheiden der Stabsstellenleiterin als Sachgebiet im Amt für Stadtgrün, Umwelt und Klima verankert. Mit Dienstantritt des Klimamanagers wäre das Sachgebiet mit viereinhalb Stellen komplett besetzt. Und das zum ersten Mal.