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Neue Struktur der evangelischen Kirche in Neuss

Strukturdebatte in der evangelischen Kirche in Neuss : Stadtsynode und neue Verbandsstruktur

Die vier evangelischen Gemeinden in Neuss fusionieren zwar nicht, wollen auf Stadtebene aber schneller und effizienter zu Entscheidungen kommen. Der alte Verband evangelischer Kirchengemeinden wird dazu umgekrempelt.

Die Fusion der vier evangelischen Kirchengemeinden in Neuss ist vom Tisch. Die vor drei Jahren angestoßene Diskussionen über Formen einer vertieften Kooperation wurde ohne förmlichen Beschluss dazu beendet, aber nicht ohne Ergebnis. Eine Fusion, wie sie gerade die Diakonischen Werke in Neuss und im Rhein-Kreis vollzogen haben, hält Pfarrer Sebastian Appelfeller nach wie vor für das Modell der Zukunft. Auch für die evangelische Kirche in Neuss. Doch zunächst wird nur der Verband der evangelischen Kirchengemeinden in Neuss „umgekrempelt“.

Ab dem 15. September wird die alte Verbandsversammlung, der derzeit rund 25 Personen angehören, mit Zustimmung der evangelischen Kirche im Rheinland (EKR) durch eine achtköpfige Verbandsvertretung ersetzt. Die nimmt weiterhin die übergeordneten Belange der vier Mitgliedsgemeinden wahr, das jedoch effektiver und schneller. Neun Monate darüber zu debattieren, dass für die Friedhofskapellen ökumenische Gesangbücher angeschafft werden – so etwas soll es nicht mehr geben. Aber so ist noch immer die Gegenwart.

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Die Entschlackungskur ist der Versuch, das seit den 1960er Jahren gewachsene Dickicht von Gremien etwas auszulichten. Ein Demokratieverlust sei nicht zu befürchten, sagt Appelfeller, eher eine Entlastung der meist ehrenamtlichen Mandatsträger. Denn er als Vorsitzender des Gemeindeverbandes erlebte nicht selten, dass er ein- und dasselbe Thema sechs Mal mit den selben Personen besprach: im Ortsbeirat für Gnadental, im Presbyterium der Kirchengemeinde Neuss-Süd, auf Verbandsebene – und wieder zurück. Und manchmal auch noch in den Vorständen dieser Gliederungen. Schnelle Entschlüsse? Ausgeschlossen.

Teil eins des evangelischen „Entfesselungspaketes“: Ein Mal im Jahr treffen sich künftig alle Presbyterien zur Strategietagung. Eine Art Stadtsynode – auch wenn das der Superintendent vielleicht nicht gerne hört. Dieser Kreis muss demnächst tagen, um aus seiner Mitte die acht Verbandsvertreter zu wählen. Vier gehen als Delegierte ihrer jeweiligen Heimatgemeinde, die damit ständig eingebunden bleiben, in dieses Gremium. Dieses neue Gremiium, das die evangelischen Familienbildung ebenso koordiniert wie Öffentlichkeitsarbeit, Sonderseelsorge oder die Repräsentation gegenüber den Gremien der Stadt, soll öfter tagen, schneller entscheiden – und umsetzen. „Unsere Kampagnefähigkeit ist massiv infrage gestellt durch die Zersplitterung in Kleinstgruppen“, sagt Appelfeller. „Allein der Aufwand, den es braucht, etwas in alle Gemeindebriefe zu bekommen, ist enorm.“ Die seelsorgerische Arbeit bleibe auch künftig allein Sache der vier Mitgliedsgemeinden.

Kritik hatte sich der Gemeindeverband anhören müssen, als das evangelische Gemeindeamt auf der Further Straße geschlossen und seine Aufgabe dem „Verwaltungsverband des evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss“ in Rheydt übertragen wurde. Ein Stück Kirche ginge verloren, das Evangelische wäre weniger sichtbar in Neuss, musste sich Appelfeller anhören. Zu Unrecht, wie er findet. Die Familienbildung sei gesichert, die Philippus-Akademie nach Neuss geholt worden, wo die größte Diakonie ringsum ihr Hauptquartier hat. Die Begleitung des Reformationjubiläums sei top gewesen. „Was wir an Repräsentation haben, ist in Mönchengladbach ohne Beispiel.“