Neuss: Neue Solistin am Klavier

Neuss: Neue Solistin am Klavier

In Kleinenbroich aufgewachsen, in Neuss zur Schule gegangen und auf dem Sprung nach Amerika: Mariko Sudo wird das Rheinland verlassen, ist aber zunächst noch ständige Solistin des Neusser Kammerorchesters.

Ein guter Dirigent muss wohl auch etwas von einem Dompteur haben. Zumindest an Tagen, an denen weniger die Musiker eingefangen werden müssen als vielmehr die Besucher – wie die Fünftklässler, die da auf ihren Stühlen herumrutschen, mit den Nachbarn vor sich, hinter sich und neben sich quatschen, und mit einem Mozart wohl nicht das meiste anfangen können. Joachim Neugart, Leiter des Neusser Kammerorchesters (NKO), ist ganz geschickt. Er schnappt sich einzelne Schüler und platziert sie zwischen Geigern, Bratschisten oder Oboisten. Was für den einen Schüler eine Auszeichnung ist, mag für den anderen eine Strafaktion sein – der Effekt ist so oder so unglaublich. Es herrscht fortan Ruhe in der Aula.

Das NKO ist Gast im Marie-Curie-Gymnasium (MCG). Bei einem ganz besonderen Projekt, das sich unter dem Label "Nordstadt-Konzerte" zu einer Reihe auswachsen soll und seine erste Generalprobe mit Schülern erlebt. Mariko Sudo, die bei der Suite von Holst am Rand sitzt und zuhört, fühlt sich angesichts der quirligen Kinderschar in alte Zeiten versetzt, als sie selbst noch Schülerin am Marienberg-Gymnasium war. Ein Konzert wie dieses hat die Pianistin noch nicht gegeben, aber sie versichert glaubhaft: "Ich freue mich drauf."

Die 25-Jährige ist der erste "Solist in Residence" des NKO, hat sofort begeistert zugesagt, als Joachim Neugart ihr diese Funktion angetragen hat: "Schließlich kennen wir uns gut, ich habe schon öfter mit dem NKO gespielt." Dass sie das erste Neusser Konzert mit dem Ensemble im Marie-Curie-Gymnasium und mit reger Beteiligung der Schüler gibt, hat für sie einen besonderen Reiz. Denn Sudo, die bereits ihr Konzertdiplom in der Tasche hat, jetzt den Master of Art an der Folkwanghochschule in Essen dranhängt, unterrichtet selbst sehr gerne. "Ich habe mehrere Schüler", erklärt sie, "und würde das auch gerne in Zukunft weitermachen."

Konzerte geben und unterrichten – das sind für die Musikerin, deren Elternhaus in Kleinenbroich steht, die Optionen für die Zukunft. Wobei sich ihre Pläne für die jüngste Zukunft gen Amerika richten. Denn Mariko Sudo ist von dem amerikanischen Pianisten Menachem Pressler (Gründer des Beaux Art Trios) eingeladen worden, zu ihm an die staatliche Indiana University Music School in Bloomington zu kommen. Vier Semester möchte Sudo bei dem berühmten Musiker gerne studieren und ihren Performer Diplom machen. Wenn alles gut geht (sprich: die Finanzierung steht), reist sie im September in die USA. Dass hinter dem Amerika-Studium die Arbeit in ihrem preisgekrönten Orion-Ensemble zurückstehen muss, nimmt sie dabei in Kauf. Allerdings auch mit Bedauern. Begeistert hat es sie hingegen, dass sie mit NKO in einigen Tagen zu einer kleinen Konzertreise nach Amerika aufbricht. "Besser konnte es gar nicht kommen", sagt die Musikerin strahlend.

(NGZ)