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Neuss: Neue Namen für die Sekundarschulen

Neuss : Neue Namen für die Sekundarschulen

Die Bezeichnung "Sekundarschule" wird an den beiden Schulen dieses Typs als Arbeitstitel aufgefasst, nicht als Name. Sie haben eine Umbenennung beantragt. In einem Fall hat die Stadt schon zugestimmt: Ab Januar gilt Comenius.

Im Schulzentrum des Dreikönigenviertels schlossen sich gestern die Tore der "Sekundarschule Weberstraße" hinter 112 Kindern und elf Lehrern. Weihnachtsferien. Wenn Kollegium und Schülerschaft im Januar aus diesen Wochen zurückkehren, hat die Schule den sperrigen Namen, den Lehrer wie Eltern mehr als Arbeitstitel wahrgenommen haben, abgelegt. Vom 1. Januar an wird sie "Comenius-Schule" heißen. Die Stadt als Schulträger hat diese Umbenennung jetzt gebilligt und folgt damit einem Antrag der Schulkonferenz.

Die ein Jahr ältere Sekundarschule an der Gnadentaler Allee bleibt dagegen weiter "namenlos". Den von dort vorgetragenen Wunsch, in "Novesia Sekundarschule Neuss" umbenannt zu werden, zog Schulleiterin Anja Bentele-Brückner zurück, als dieser auf wenig Gegenliebe stieß. "Wir wollen nicht, dass die irgendwann nur noch Schoko-Schule genannt wird", sagte Ralph-Erich Hildebrandt von der SPD mit Blick auf die Schokoladen-Marke "Novesia Gold-Nuss".

Während an der Gnadentaler Allee der Prozess zur Findung eines Schulnamens in eine zweite Runde geht, weil auch der Alternativvorschlag "Rheinaue" nicht mehrheitsfähig ist, kommt an der Weberstraße ein böhmischer Gelehrter des 17. Jahrhunderts zu neuen Ehren: Johann Amos Comenius (1592 bis 1670), Pädagoge und Verfasser der "Didactia magna". In diesem Hauptwerk fasst Comenius sein pädagogisches Credo in drei Begriffen zusammen, die nach Überzeugung von Schulleiter Jochen Reif auch das Konzept des längeren gemeinsamen Lernens der Sekundarschule und die angestrebte Lernkultur in dem Haus an der Weberstraße treffend kennzeichnen: "Omnes, omnia, omnio". Übersetzt: "Alle, alles, ganz".

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Die Sekundarschule Weberstraße sei ganz im Sinne von Comenius eine Schule für "alle" Kinder und setzt Inklusion um, begründet Reif Namensvorschlag und Antrag. Auf der Ebene der Sachkompetenz habe die Schule "alles" im Blick, setze aber in einer globalen Wissensgesellschaft zwangsläufig ausgewählte Schwerpunkte. Individuelle Lernwege, Differenzierung und stärkenorientierter Unterricht wiederum beinhalten nach Reifs Überzeugung den Gedanken des "Ganzen", wie ihn Comenius selbst auf die Methode an seinen eigenen Schulen anwandte.

"Mit Comenius wählen wir bewusst eine historische Persönlichkeit", sagt Reif. Dass diese andererseits "modernen Unterricht vorbildlich vorgedacht hat", bedeute Motivation für eine Schulentwicklung, in der längeres gemeinsames Lernen tatsächlich gelingt.

Beide Schulen waren bei der Namensfindung durch den Historiker und Stadtarchivar Jens Metzdorf beraten worden. Dieser Prozess war an der erst im Sommer eröffneten Sekundarschule Weberstraße kurz, aber intensiv, während die breit geführte Diskussion an der Gnadentaler Allee 18 Monate in Anspruch nahm. Der Wunschname Novesia aber war nicht durchsetzbar, weil Verwechslungen nicht nur nach Metzdorfs Ansicht vorprogrammiert sind - gibt es doch neben der Schokolade und dem Verband KKV schon ein Tambour-Korps, einen Sportverein, einen Yacht-Club, eine Karnevalsprinzessin und sogar eine Fleischwurst gleichen Namens.

(NGZ)