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Neuss: Neue Ideen für den Weihnachtsmarkt

Neuss : Neue Ideen für den Weihnachtsmarkt

Josef Kremer verantwortet seit sechs Jahren den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz. Sein Ideal hat er noch immer nicht ganz erreicht.

Der Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz steht. Von morgen Abend an wird er vier Wochen lang so etwas wie Josef Kremers Zweitwohnsitz sein, der morgens der Erste sein muss und abends nicht selten der Letzte vor Ort sein wird. Seit sechs Jahren veranstaltet und verantwortet der 53-jährige Schausteller den Neusser Weihnachtsmarkt schon, doch der ist noch immer nicht ganz so, wie ihn sich Kremer idealerweise vorstellt. "Wir investieren ja noch immer jedes Jahr", führt er zum Beweis an.

In diesem Jahr will Kremer mit technischer Hilfe von Christian Piepers Firma für Veranstaltungstechnik beim Thema Beleuchtung neue Akzente setzen. "Jeder Baum wird illuminiert", gibt er einen Hinweis. Neue Stehtische — die klassischen Treffpunkte auf dem Markt — hat er angeschafft, 15 000 Euro alleine in das Bühnenprogramm gesteckt und neue Händler geworben. "Mittlerweile sind wir in der Situation, dass wir uns die aussuchen können", sagt Kremer. Für ihn ist das ein Gradmesser seines Erfolges.

Vor sechs Jahren war das noch ganz anders. Als mit der Insolvenz des vorherigen Marktbetreibers auf einmal die ganze Veranstaltung zu kippen drohte, warf der Holzheimer Josef Kremer, Schausteller in der dritten Generation, seinen Hut in den Ring. Dass er damals überhaupt genug Händler fand, die in diesen auch für ihren geschäftlichen Erfolg wichtigen Wochen auf die Karte Neuss zu setzen bereit waren, verdankte Kremer damals nur seinen guten Kontakten. Wer ihm in jener Situation half, den vergisst er im Gegenzug bis heute auch nicht.

Was er ändern werde, wurde Kremer damals bei seiner Vorstellung im Rat gefragt. "Ich werde keine Eisbahn versprechen und mit Sponsoren locken, die dann doch abspringen", sagte Kremer. "Alles, was wir machen, können wir selbst bezahlen." Das gilt bis heute.

Was Kremer von den Markthändlern einnimmt, wird wieder in den Weihnachtsmarkt gesteckt. Er selbst lebt von dem, was sein Grillstand und seine Glühweinbude abwerfen. Weil er nicht vom Markt selbst existieren muss, kann er etwas großzügiger mit den Händlern sein. "Mach es, aber mach es schön" — sagt er Händlern, die vielleicht gerade etwas klamm, aber für den Weihnachtsmarkt insgesamt gut sind. "Wir als Schausteller hören doch, was die Leute wollen", sagt Kremer. Und daran hält er sich. Aber jedes Angebot — von der Bäckerei über palästinensische Handarbeiten aus Bethlehem bis zu Schnitzereien aus dem Erzgebirge — ist nur einmal vertreten. "Wir wollen ja auch, dass die Kollegen hier ein Geschäft machen."

Für die Neusser und ihre Gäste möchte Kremer Jahr für Jahr einen Weihnachtsmarkt mit Seele schaffen. "Klein, fein und gemütlich", sagt er. Das schließt von Anfang an eine Krippe auf dem Münsterplatz und einen Besuch des Nikolaus ausdrücklich ein. Eine Pyramide aus dem Erzgebirge für den Marktmittelpunkt, sein eigener Traum, wird es aber wohl nicht geben. Dafür wäre die Investition zu groß. Denn Kremer, dessen Vertrag 2013 ausläuft, will noch einmal um eine dreijährige Verlängerung bitten. Danach hört er aber auf.

(NGZ/rl)