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Neuss: Neue Basis für die Psychiatrie

Neuss : Neue Basis für die Psychiatrie

Mit einem Festakt wurde gestern der Neubau des St.-Alexius-/St.-Josef-Krankenhauses eingeweiht. Das Fachkrankenhaus soll die Basis schaffen, um die Therapieangebote noch weiter ausdifferenzieren zu können.

Kurze Wege im Falle seelischer Not: Das ist der Grundgedanke der psychiatrischen Versorgung im Rhein-Kreis, die deshalb dezentral organisiert ist. Aber diese Struktur braucht eine Basis.

Schlüsselübergabe im Alexius Krankenhaus mit (v.l.) Heidrun Schlenk, Heidrun Lundie, Dr. Martin Köhne, Linus Hofrichter und Thilo Spychalski. Foto: woi

Dieses "Mutterschiff", wie es Dr. Martin Köhne nennt, ist das St. Alexius/St.-Josef-Krankenhaus, das nach vier Jahren Bauzeit einen 55 Millionen Euro teuren Neubau an der Nordkanalallee beziehen kann. Ein Zentrum für seelische Gesundheit, das, so ist Köhne als ärztlicher Direktor überzeugt, bundesweit Maßstäbe setzen wird. Gestern wurde es in einer Feierstunde vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner eingeweiht.

Der Neubau schließt einen Prozess ab, der 2004 mit der Neustrukturierung der nebeneinander liegenden und in Konkurrenz zueinander arbeitenden Krankenhäuser St. Josef und St. Alexius eingeleitet wurde. Die Häuser unterschiedlicher Träger wurden zu einem Fachkrankenhaus mit zwei Standorten zusammengefasst.

"Das hat für die Patienten enorm viel gebracht", erinnerte Köhne gestern, denn die neue Struktur erlaubte es, doppelt vorhandene Angebote zu bereinigen und setzte damit Potenziale frei, die in die Verbesserung der Therapieverfahren investiert werden konnten. Köhnes Vorstellung von Psychiatrie geht dahin, immer unterschiedlichere Therapieangebote machen zu können.

Ein individuelle Angebot für jeden der jährlich 6000 stationär versorgten Kranken. Noch sei man nicht so weit, sagte Köhne, aber das neue "Mutterschiff" sei die richtige Basis, um die Angebote weiter auszudifferenzieren. "Die Aufgabe ist nun, diese Super-Hülle, dieses Super-Ambiente, mit einer Super-Therapie zu füllen", sagte er begeistert.

Von dem neuen Krankenhaus zeigten sich gestern alle Festgäste beeindruckt. Ein Beispiel für eine humanitäre und zeitgemäße Psychiatrie, "die nichts mehr mit dem Begriff Heilanstalt zu tun hat", drückte das Landrat Hans-Jürgen Petrauschke aus.

Dass das Haus mit 355 Betten auf zwölf Stationen überhaupt in dieser Dimension geplant und gebaut wurde, war 2004, als die ersten Planungen begannen, nicht absehbar. Denn damals redeten fast alle Experten dem Bettenabbau in der Psychiatrie das Wort. Das war mit Blick auf eine Psychiatrie, die mit dezentralen Wohnheimen, ambulant betreutem Wohnen oder sozialpsychiatrischen Zentren auf Öffnung der Krankenhäuser und Integration setzte, sicher richtig. Andererseits aber mussten auch diese Fachleute erkennen, dass die Zahl psychischer Erkrankungen weiter zunimmt. "Die Gesellschaft ist nicht kränker", sagt Köhne, "aber die Menschen sind eher bereit, Hilfe anzunehmen."

(NGZ/rl)