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Mit persönlichem Einsatz ein schmuckes Hotel erschaffen: Neuanfang mit 75

Mit persönlichem Einsatz ein schmuckes Hotel erschaffen : Neuanfang mit 75

Von Christoph Kleinau Die Neusserin Irmgard Mollstroh hat in Bad Breisig das leer stehende Hotel Bender gekauft und wieder zu einem schmucken Hotel gemacht. Der Rhein-Residenz . All das in einem Alter, in dem andere den Ruhestand genießen.

Von Christoph Kleinau Die Neusserin Irmgard Mollstroh hat in Bad Breisig das leer stehende Hotel Bender gekauft und wieder zu einem schmucken Hotel gemacht. Der Rhein-Residenz . All das in einem Alter, in dem andere den Ruhestand genießen.

Das Hotel Bender in Bad Breisig - ein Traumhotel. Aber eins, das keiner haben wollte. Bis Irmgard Mollstroh kam und den Kasten direkt am Rhein, der schon Jahre leer stand und scheinbar dem Verfall preisgegeben war, ersteigerte. "Mit 75 Jahren habe ich mir erlaubt, ein großes Hotel zu kaufen", erklärt die Neusserin.

"Aus Spaß. Da spielt das Alter keine Rolle." Rhein-Residenz hat sie das Haus getauft, das sie seit Februar mit viel Tatkraft und persönlichem Einsatz wieder in ein schmuckes Hotel verwandelt hat. Der Einsatz wurde schnell belohnt. "Ich hatte schon mehrfach keinen Kohlenkasten mehr frei", berichtet sie von ausgebuchten Tagen.

"Und das ohne überhaupt in irgendeinem Prospekt zu stehen." Mit dem Hotelfach hatte Irmgard Mollstroh vorher keinerlei Erfahrung. Als Irmgard Kammerich in Neuss geboren, stammt sie aus der Familie, die am Neumarkt ein Lederwarengeschäft betreibt. Und auch sie wurde und blieb Kauffrau.

  • Fotos: jasi, woi
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In Neuss betreibt sie bis heute mit ihrer Tochter ein Modegeschäft, und in Bad Breisig, wo sie vor 30 Jahren ein 400 Jahre altes Fachwerkhaus kaufen und renovieren konnte, machte sie aus der "Modetruhe" in der Biergasse eine Adresse, die ihrer Neusser Kundschaft auch eine einstündige Anreise wert ist. "In das Hotel Bender war ich verliebt, seit wir vor 30 Jahren nach Bad Breisig kamen", sagt sie.

Und als sich selbst Bauunternehmer mit Grausen von dem leeren Hotel abwandten, griff sie zu - nach zweiwöchiger Bedenkzeit. Angestoßen wurde der Neuanfang trotz fortgeschrittenem Alter auch durch den Tod des Ehemannes vor eineinhalb Jahren.

"Ich habe überlegt, was machst du nun: Jeden Abend heulend nach Hause kommen, oder noch einmal die Ärmel aufkrempeln?", sagt die 75-Jährige - und schritt fröhlich und zuversichtlich zur Tat. Seitdem hat sie viel bewegt.

Die Fassade bekam einen ockergelben Anstrich, die platanen-begrünte Terrasse ist schon wieder gastlich, und das Restaurant lockt nicht nur mit Rhein-Blick, sondern auch mit Gourmet-Küche. Für die sorgt ein Koch, der früher den Staatsgästen im Gästehaus der Bundesrepublik auf dem Petersberg auftischte. Er ist ein Partner bei diesem Projekt, zwei Heilpraktikerinnen, mit denen Mollstroh gerade den Kur- und Wellnessbereich ausbaut, gehören auch zum Team.

"Insgesamt", so resümiert die Chefin, "habe ich hier noch Arbeit für zehn Jahre." Das klingt nach Bleibenwollen, aber nicht nach Altersruhesitz. Und in der Tat will die Novesia der Session 1966/67, die noch immer Mitglied bei den Heimatfreunden und in der Bürgergesellschaft ist und ein Haus an der Kaiser-Friedrich-Straße besitzt, in Bad Breisig alt werden.

In, wie sie findet, einer der schönsten Lagen am Rhein. Dabei möchte sie auf Dauer nicht allein bleiben. Einige Appartements in dem großen Haus werden noch nicht genutzt. Die möchte sie noch herrichten und an Gleichaltrige vermieten, mit denen sie auch ihre musischen Hobbys pflegen möchte. "Das soll keine Alten-Wohngemeinschaft werden", betont sie, "denn jeder Bewohner hätte sein eigenes Reich."

(NGZ)