Serie Senioren In Neuss: Netzwerker machen Gleichaltrige fit

Serie Senioren In Neuss : Netzwerker machen Gleichaltrige fit

Netzwerken geht nicht nur im Beruf, netzwerken funktioniert auch in der Freizeit. Beim Netzwerk Neuss-Mitte, das seit zehn Jahren besteht, bieten Senioren ihren Altersgenossen ganz unterschiedliche Kurse an. Vier Netzwerker berichten.

Neuss Elke Noack ist gelernte Fremdsprachenkorrespondentin. Als ihr Mann Mitte der 80er Jahre seinen ersten Computer anschaffte, beschloss die heute 73-Jährige schnell, dass sie auch einen braucht. "Er verwaltete meine Sachen, das wollte ich aber selbst machen", erzählt sie. Seit 2002, seit der Gründung des Netzwerks Neuss-Mitte, gibt sie nun Computerkurse. "Anfangs waren die nur theoretisch, denn wir hatten zwar einen Raum, aber keinen Computer", sagt Elke Noack. Das ist natürlich längst anders. Die Kurse, in denen es neben der Bedienung auch um die Sicherheit im Internet geht, sind regelmäßig voll.

Doch nicht nur die. Heider Liebig bietet Mathe an, Geometrie und Algebra. Dabei unterscheidet der 70-jährige, der bei einer Versicherung gearbeitet hat, zwei Gruppen von Teilnehmern: die einen, die sich schon immer gern mit Mathematik beschäftigt haben, und diejenigen, die das Arbeiten mit Zahlen gehasst haben, doch jetzt im Alter einen neuen Versuch starten. "Das Ganze ist auch eine Art Gedächtnistraining", sagt Liebig.

"Ich für mich, mit anderen, für andere" ist das Motto des Netzwerks, das 2002 vom Caritasverband Rhein-Kreis Neuss für Menschen ab 55 Jahre gegründet wurde. Dabei stand der Gedanke im Mittelpunkt, nicht etwas für, sondern mit den Menschen zu initiieren. Und auch wenn das Projekt anfangs von Caritas-Mitarbeitern unterstützt wurde und heute noch begleitet wird, sind es die Netzwerker selbst, die das Programm erstellen, nach Wunsch neue Kurse anbieten und dabei ihre eigenen Fähigkeiten unentgeltlich zur Verfügung stellen — und das einfach, weil es ihnen Spaß macht. Wie Kurt Baßmann. Der ehemalige Bankkaufmann ist mittlerweile der Radsport-Experte des Netzwerks. Denn jedes Jahr im März eröffnet der 69-Jährige die Radsaison, in diesem Jahr genau am heutigen Dienstag (Treffpunkt Friedrich-Ebert-Platz, Abfahrt 14.30 Uhr, keine Anmeldung notwendig). "Unsere Nachmittags-Touren umfassen meist 28 Kilometer", sagt Baßmann und liefert gleich die Erklärung hinterher: "Als wir 2002 mit den Radtouren begonnen haben, hatten wir eine Teilnehmerin mit einem E-Bike. Bei dem musste nach 30 Kilometer der Akku aufgeladen werden." Zehn Touren hat er im Programm. Am 1. Mai gibt's eine Tagestour, im Sommer zusätzlich einen mehrtägigen Radausflug.

Karl Klaas ist 66 Jahre alt, im Team der "Dozenten" aber noch recht jung. Seit anderthalb Jahren geht's in seinen Kursen recht laut zu, denn dort wird gesungen. Der ehemalige Lehrer für Erdkunde und Mathematik bietet Kanonsingen an, und das einmal pro Monat im Literaturcafé der Bücherei St. Quirin. "Froh zu sein, bedarf es wenig" ist dort Programm, denn immerhin kommen 16 bis 20 Sänger zu jedem Termin. Französisch, Boule, Philosophie, Kegeln, Gesprächskreise sind nur einige der vielen Angebote des Netzwerks. "Was noch fehlt, ist ein Malkursus", sagt Monika Liebig vom Netzwerkbüro. Wer also Lust hat...

(NGZ/rl)
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