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Neuss: "Netto-Räuber" vor Gericht

Neuss : "Netto-Räuber" vor Gericht

Der Neusser Marius L. steht in dem Verdacht, bundesweit 35 Filialen des Discounters Netto überfallen zu haben. Dazu flog er jeweils aus Kenia ein, trat als Revisor auf. Ein Komplize soll ihn mit Insiderinformationen gefüttert haben.

Jahrelang hat er die Polizei bundesweit in Atem gehalten, jetzt wird ihm ab Montag am Kölner Landgericht der Prozess gemacht. Der Neusser Marius L. (38) war laut Ermittlungen der so genannte "Netto-Räuber", der als "falscher Revisor" insgesamt 35 Filialen dieses Discounters in ganz Deutschland überfallen haben soll.

Seine Geschichte liest sich wie ein filmreifer Krimi. Geplant hat der 38-Jährige seine Taten im afrikanischen Kenia. Laut Anklage hatte sich der Neusser eine perfide Masche überlegt, um bei seinen Überfällen insgesamt mehr als 750 000 Euro Beute machen zu können. Der Ex-Polizist soll nämlich mit einem Netto-Gebietsverkaufsleiter gemeinsame Sache gemacht haben.

Den kannte er schon aus gemeinsamen Schulzeiten. Roland B. soll ihn mit allen wichtigen Insiderinformationen versorgt haben. "Er wusste beispielsweise, wo die Geldbomben sind und wie die Tresore funktionieren", so Polizeidirektor Roland Küppers nach der Festnahme des Duos. "Er wusste über die Abläufe in den Filialen Bescheid, kannte auch die Namen von echten Mitarbeitern aus der Revision."

Mit derart viel Wissen ausgestattet, soll sich Marius L. in regelmäßigen Abständen aus Kenia auf den Weg nach Deutschland gemacht haben, um hier innerhalb weniger Tage mehrere Überfälle zu begehen. "Er ist absolut seriös und sicher aufgetreten, kam im Anzug und hat sich der Filialleitung als Netto-Revisor vorgestellt", so Torsten Dormann, Ermittler der Polizei in Köln. Den Angestellten habe er anschließend vorgegaukelt, im Rahmen der Überprüfung auch eine "Überfall-Übung" machen zu müssen.

Für diese "Überfall-Übung" zog der "falsche Revisor" jeweils eine echte Waffe, bedrohte das Personal und ließ sich den Tresorinhalt aushändigen. Danach erklärte er den Angestellten, er würde sie jetzt im Büro einschließen und nach zehn Minuten wieder befreien. "Das alles sollte angeblich Teil der Übung sein", so Dormann. Die Angestellten ließen das ungewöhnliche Prozedere über sich ergehen und schöpften erst Verdacht, als nach einiger Zeit der angebliche "Revisor" nicht zurückkam.

Die Polizei kam dem "Netto-Räuber" am Ende durch die Auswertung von Telefondaten auf die Spur. Die Ermittler hatten festgestellt, dass immer wieder ein- und dieselbe Handynummer an den Überfallorten registriert wurde. Die Nummer wurde überwacht — als Marius L. wieder aus Kenia nach Deutschland eingereist war, um die nächste Überfall-Serie zu begehen, schlugen die Ermittler zu.

Wegen schweren Raubes und schwerer räuberischer Erpressung drohen Marius L. und seinem mutmaßlichen Komplizen nun bis zu 15 Jahre Haft.

(NGZ/url)