Nelly-Sachs-Gymnasium in Neuss: Schüler schaffen Werke für „100 Jahre Bauhaus“ im Frauenmuseum Bonn

Nelly-Sachs-Gymnasium Neuss : Schüler schaffen museumsreife Werke

Mit Neuntklässlern hat Kunstlehrerin Carola Paschold perspektivische Zeichnungen erarbeitet. Die Werke der Nelly-Sachs-Schüler waren so gut, dass sie jetzt in einer Ausstellung zu „100 Jahre Bauhaus“ im Frauenmuseum Bonn hängen.

Künstlerisch hat Malin Pohl Großes vor. „Ich denke über Kunst als Abi-Fach nach“, sagt die Neuntklässlerin. Den ersten Schritt ihrer künstlerischen Laufbahn hat die 15-Jährige getan. Sie ist eine von neun Schülern und Schülerinnen am Nelly-Sachs-Gymnasium, deren perspektivische Stadtansichten in der Ausstellung „Bauhaus Innenräume“ zum 100-jährigen Jubiläum der Weimarer Kunstschule im Bonner Frauenmuseum gezeigt werden. „Dass das Museum Zeichnungen von Schülern zeigt, ist extrem ungewöhnlich“, sagt Kunstlehrerin Carola Paschold. Sie ist selbst Malerin für zeitgenössische Kunst und hat den Kontakt zum Frauenmuseum über Mit-Gründerin und Direktorin Marianne Pitzen hergestellt. „Sie war von den Arbeiten der Schüler derart begeistert, dass sie die Zeichnungen spontan in die Ausstellung einbezogen hat. Das ist für die Schüler eine tolle erste Präsentationsplattform“, berichtet Carola Paschold, die selbst einen Beitrag zur Bauhaus-Ausstellung leistet.

Bis zur ersten Ausstellung war es für die jungen Künstler ein weiter Weg. Vor Weihnachten stand das Thema Perspektive auf dem Stundenplan der neunten Klassen. „Wir haben gelernt, wie man aus der Frosch- und Vogelperspektive zeichnet“, berichtet Merle Beutner. Anschließend ließ Carola Paschold ihre Schüler Stadtansichten und Innenräume mit zwei Fluchtpunkten zeichnen – eine komplexe Arbeit. Gezeichnet wurde mit Bleistift; anschließend die Bauwerke, Wände, Zimmer und Möbel mit Buntstiften farblich gestaltet. „Zwei bis drei Monate habe ich für meine Arbeit gebraucht“, sagt Merle Beutner. „Mehrmals hatte ich einen Krampf in der Hand vom stundenlangen Ausmalen.“

Die Mühe hat sich für die Schülerin der 9c gelohnt, denn ihre Gegenüberstellung von Antike und Moderne, die aus einem römischen Tempel in warmen Farben und einem modernen Raum in kühlem Blau und Grün besteht, ist jetzt im Frauenmuseum zu bewundern. Wert hat Calora Paschold sowohl auf die exakte Zeichnung aller Linien als auch auf die Kreativität der Schüler gelegt. „In der Gestaltung ihrer Stadtansicht waren die Schüler völlig frei und haben ganz unterschiedliche Themen gewählt.“ Für die Bonner Ausstellung ausgesucht hat die Künstlerin schließlich neun Werke, die den Bauhaus-Stil am besten getroffen hatten. Darunter war auch die Zeichnung von Malin Pohl, zwei pastellfarbene Zimmer mit Holzbalken, Sitzecke und Blumen-Wandtattoo. „Die Zimmer habe ich nach meinem Geschmack eingerichtet und könnte mir schon vorstellen später so zu wohnen“, sagt die Schülerin.

Am 19. Mai durften die jungen Künstler mit ihren Familien zur Ausstellungseröffnung nach Bonn reisen und ihre gerahmten Zeichnungen dort bewundern. „Das war ein ganz besonderes Erlebnis“, sagt Adrian Bufaj. Auch er würde sich in seiner Innenansicht mit Billardtisch, Eck-Kamin und in die Wand integriertem Aquarium wohlfühlen. „Interessant wäre es in der Tat, die Schüler in zehn Jahren zu besuchen, um zu sehen, wer sich so eingerichtet hat, wie er es sich jetzt wünscht“, sagt Schulleiterin Isabelle Defort.

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