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Neuss: Napp stellt Galland vorerst frei

Neuss : Napp stellt Galland vorerst frei

Nach polemischen Äußerungen über die Begeisterung für die royale Hochzeit in London hat Bürgermeister Herbert Napp Amtsleiter Andreas Galland einen Maulkorb verpasst. Auch eine fristlose Kündigung war im Gespräch.

Die Reaktion von Bürgermeister Herbert Napp kam prompt und unmissverständlich. Gestern früh hatte er seinen Wirtschaftsförderer Andreas Galland zum Rapport bestellt. "Direkt als erstes als ich ins Büro gekommen bin", sagt Napp. Amtsleiter Galland hatte sich im Vorwort des Newsletters der städtischen Wirtschaftsförderung, der am Freitag an die Neusser Unternehmen per E-Mail verschickt worden war, über die Aufmerksamkeit für die Hochzeit von Prinz William und Kate in England ereifert. Dabei benutzte er sexualisierte sowie Fäkalsprache und ging auf das Intimleben des Hochzeitspaares sowie sogar sein eigenes ein.

Unternehmen und Politiker reagierten empört. Daraus zieht Gallands Dienstherr nun erste Konsequenzen. "Herr Galland ist für diese Woche von seinen Aufgaben als Amtsleiter freigestellt", sagt Napp. In dieser Zeit müsse der 44-Jährige seine bereits veröffentlichten Texte zusammentragen und Napp vorlegen. Das gilt auch für sämtliche Kontakte mit Neusser Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit. "Daran werde ich stichprobenartig feststellen, ob das nur ein Ausreißer war, oder ob er sich schon öfter wie Rambo verhalten hat", sagt Napp. Für mindestens eine Woche hat er Galland einen Maulkorb erteilt. Bei weiteren Veröffentlichungen müsse Galland seine Texte künftig Napp oder dem Ersten Beigeordneten Frank Gensler vorlegen. "Er hat eingesehen, dass er übers Ziel hinausgeschossen ist", sagt Napp über das Gespräch mit Galland. Im nächsten Newsletter werde es eine Entschuldigung geben. Dennoch sei sogar über eine fristlose Kündigung nachgedacht worden. "Aber dazu reicht es nicht aus", sagt Napp. Er werde Ende der Woche entscheiden, welche Konsequenzen er ziehe, möglich sei etwa eine Abmahnung.

Die Kritik an Galland reißt derweil nicht ab. Der Text sei absolut unangemessen, sagt Josef Thiel, Sprecher des Technologiekonzerns Toshiba: "Wir sind konsterniert. Das ist sehr unangenehm, zumal wir auch einen englischen Geschäftsführer haben. Toshiba erwartet, dass sowas nicht mehr vorkommt." Sowohl der Kreis-Wirtschaftsdezernent Jürgen Steinmetz als auch Guido Lichius von der gleichnamigen Baufirma finden Ton und Inhalt unangebracht. "Wenn alle Empfänger damit ein Problem haben, wird das zum Problem des Senders und nicht der Empfänger", sagt Lichius. Georg B. Ficke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, der selbst zur Zeit der Hochzeit in London war, bezeichnet Gallands Vorwort als "befremdend, unangemessen und kontraproduktiv". Kurt-Herbert Derichs, Kreisgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft, findet die Wortwahl "gänzlich daneben" und glaubt, Napp werde umgehend die "richtigen Schritte" einleiten .

(NGZ)