1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Napp: "Neuss ist am 24. Mai schuldenfrei"

Neuss : Napp: "Neuss ist am 24. Mai schuldenfrei"

Unter den 548 Tagen, die Bürgermeister Herbert Napp noch im Amt ist, markieren einige Daten einen echten Endpunkt oder aber einen Neuanfang. Und selbst der letzte Tag im Amt eröffnet neue Chancen: "Dann erfinde ich mich neu."

Am Ostersonntag liegen vor Bürgermeister Herbert Napp noch exakt 548 Tage im Amt. Keiner dieser Tage wird sein wie der andere, manche werden neue Chancen bieten, doch einige sind für Napp schon jetzt wichtige Zielmarken. Weil dann etwas erreicht oder etwas neu angestoßen wird. Besonders wichtig ist dem Bürgermeister unter all diesen Tagen das Datum 24. Mai. Denn am Tag vor der Kommunalwahl wird Neuss schuldenfrei sein.

538 und der Rest von heute: Am 30. April diskutiert der Planungsausschuss in seiner letzten Sitzung in dieser Ratsperiode das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs für das ehemalige Firmengelände des Automobilzulieferers Pierburg. "Ein Knaller", sagt Napp über den Siegerentwurf des Düsseldorfer Büros Konrath und Wennemar, der ein ganzes Quartier mit 400 Wohneinheiten, Grün, Kindergarten und einem autofreien Zentrum vorsieht. Einen ersten Spatenstich dort wird Napp noch als Bürgermeister erleben, denn parallel zu dem langwierigen Verfahren, mit dem ein Bebauungsplan erarbeitet wird, werden einige Teile des Quartierrandes in einem gesonderten Verfahren schon vorab baureif gemacht.

514 und der Rest von heute: Am Tag vor der Kommunalwahl klingelt es in der Stadtkasse. Zu diesem Termin sind die 30 Millionen Euro fällig, die der Berliner Projektentwickler Kurt Krieger für das Grundstück zahlt, auf dem derzeit das Höffner-Möbelhaus entsteht. Ein Drittel der Summe soll einen Innenstadtfonds speisen, mit dem Rest will Napp alle Kassenkredite ablösen, die die Stadt zur Sicherung ihrer Liquidität aufgenommen hat. "Das überzogene Girokonto", nennt er diese Belastung. Verbindlichkeiten aus Investitionskrediten gäbe es zwar weiter, doch könnten diese aus dem laufenden Einkommen der Stadt bedient werden. Eine Familie bezahle ihr Häuschen ja auch nicht bar, sagt Napp. Zu diesem Vorgehen brauche er keinen Ratsbeschluss, stellt Napp fest und ergänzt: "Die Gestaltungsmöglichkeiten im Haushaltsjahr 2015 enden dort, wo neue Schulden gemacht werden müssten." Das will er bis zu seinem Dienstende verhindern, denn Schuldenfreiheit sei eine Chance und "ein Alleinstellungsmerkmal in Nordrhein-Westfalen."

379 und der Rest von heute: Am 6. Oktober fährt Bürgermeister Herbert Napp zur Gewerbeimmobilienmesse "Expo Real" nach München. Im Gepäck: Unterlagen für einen Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Wendersplatzes am Hessentor. Dieser Platz, der mal für das Kreishaus vorgesehen war, sei für Wohnzwecke ungeeignet sagt Napp, der auch nicht an den großen Gewerbemieter glaubt, der dort großflächig Büros baut. "Kreativ nachdenken über Nutzungen", sagt Napp - und gibt eine Idee vor: Wie wäre es mit einer Schönheitsfarm?

298 und der Rest von heute: Napp ist überzeugt, dass dem ersten Spatenstich am 20. Mai am 27. Dezember die Eröffnung des Höffner-Möbelhauses folgt. Für ihn kein Schluss-, sondern ein Startpunkt, denn dann beginnt die Entwicklung der Restflächen im Gebiet Hammfeld II. "Ein Magnet wie das Möbelhaus wird andere Unternehmen anziehen", sagt Napp. Und die bringen Jobs und Steuereinnahmen.

51 und der Rest von heute: Am 30. August 2015 wird Herbert Napp zum letzten Mal als Bürgermeister bei der Parade der Neusser Schützen auf dem Markt stehen. "Da wird sich sicher ein komisches Gefühl des Abschieds einstellen", sagt er -und kündigt für diesen Tag das Ende seiner eigenen Schützenlaufbahn an. Die brachte ihn 1980 sogar bis ins Königsamt.

37 und der Rest von heute: Der 13. September 2015 ist voraussichtlich der Tag, an dem ein neuer Bürgermeister gewählt wird. "Dann weiß ich, wer mein Nachfolger wird", sagt Napp. Ab dann wird die Übergabe der Amtsgeschäfte vorbereitet.

5 und der Rest von heute: Am 15. Oktober 2015 wird Napp 69 Jahre.

Dienstzeitende: Am 20. Oktober 2015 endet die Amtszeit von Herbert Napp als Bürgermeister - nach 16 Jahren, sieben Monaten und 24 Tagen. "Am letzten Tag werde ich noch irgendeine Dringlichkeitsentscheidung unterzeichnen, damit jeder sieht, dass ich bis zur letzten Minute mein Amt ausgeübt habe." Um die Fusion der kommunalen Krankenhäuser wird es dabei sicher nicht gehen, denn, so Napp: "Eine solche Fusion werde ich bis zuletzt verhindern. Weil sie keinen Sinn macht."

Tag eins vom neuen Leben: Ab dem 21. Oktober 2015 will sich Herbert Napp "neu erfinden", wie er sagt. Vielleicht gehöre dazu auch, seine Segelkenntnisse im Wassersportzentrum Sandhofsee aufzufrischen.

"Verplant" ist der Bürgermeister für die nächsten 548 Tage noch nicht. Er freut sich auf die Einladung zur Eröffnung des Niederrheinwerkes von Pierburg Ende 2014, weil Einmaliges erreicht wurde: "Wir haben gezeigt, dass der Konflikt zwischen Wohnen und Gewerbe, der überall in der Bundesrepublik als unlösbar angesehen wird, mit dem guten Willen aufzulösen ist." Und er hofft, den Grundstein für neue Wohnhäuser im Büropark Hammfeld I noch als Bürgermeister legen zu können. Aber vielleicht bleibt das ja für seinen Nachfolger "übrig".

(NGZ)