Neuss: Närrische "Kümerei" des Hoppeditz

Neuss : Närrische "Kümerei" des Hoppeditz

Als Bruder Barnabas weckte Hellmut Gummersbach am Sonntag auf dem Münsterplatz vor viel Volk den Hoppeditz. Die Session ist eröffnet.

Endlich wieder Karneval. Die Vorfreude spürte man am Sonntag überall in der Stadt. So fielen schon am Morgen in Bus und Bahn Gardisten, Funkenmariechen und bunt verkleidete Jecken auf, die in Richtung Münsterplatz unterwegs waren. Eine davon war Christina Weinberg.

Die 72-Jährige war am Sonntag Teil der großen Menschenmenge auf dem Münsterplatz, wo der Hoppeditz traditionell erwacht. "Ich freue mich jedes Mal riesig auf die Session", sagte Weinberg, die seit 32 Jahren auch aktive Karnevalistin ist. "In der Session treffe ich meine Freundinnen noch viel häufiger und dabei geht es immer fröhlich zu."

Am Sonntag sorgten für die gute Stimmung vor allem die vielen Jecken, die gemeinsam mit Hellmut Gummersbach als neuem Bruder Barnabas riefen: "Hoppeditz komm von der Bahr eraf." Aus Rücksicht auf die Messe im Quirinus-Münster war das Erwachen in diesem Jahr um eine Stunde auf 12.11 Uhr verlegt worden.

Traditionell hält der Hoppeditz nach dem Erwachen Politik und Gesellschaft den Spiegel vor. Und trotz des diesjährigen Mottos "Nur net küme", (etwa: nicht klagen) war seine Rede voller "Kümerei". Beim Thema rechter Terror fragte Schmitz: "Sind wir richtig geschützt vor der rechten Gefahr?" und fand anschließend den Weg über den Sieg der "Einmannpartei" SPD bei der Landtagswahl, über die rasch wechselnden Vorsitzenden der CDU-Fraktion hin zu den Kürzungsplänen des Bürgermeisters. Besonders hart kritisierte er — wenig überraschend — die Einschnitte bei den Jecken: "Auch wir Karnevalisten sind davon betroffen, da wird so gehandelt als seien sie besoffen", sagte Schmitz in Richtung Rathaus.

Napp ("Kaiser von Neuss") kam dann auch beim Thema PCB-Sanierung nicht gut weg, wurde von Schmitz aber noch für seine klare Sprache gelobt: "Der sagt, was ihn stört." Auch die wenigen Königsanwärter der Schützen waren Thema, bevor zum Abschluss auch der Karnevalsausschuss sein Fett wegbekam. Schmitz forderte, sich mehr um den Nachwuchs zu kümmern. Das gehe aber nur "wenn ein Alter den Platz frei macht". Immerhin schloss Schmitz aber versöhnlich: "Nur net küme ihr Leut, Neuss feiert Karneval und das ab heut!"

Der Beginn der Session bedeutet für das alte Prinzenpaar Christian und Stephanie Pieper das Ende einer schönen Zeit. Stephanie bedankte und verabschiedete sich unter Tränen. Beim neuen Prinzen Toni Weber war von der vorherigen Aufregung nichts mehr zu sehen.

"Mir geht das Herz auf, wenn ich euch alle sehe", rief er auf den Münsterplatz hinaus. Die designierte Novesia Annelie war schon voller Vorfreude: "Wir sehen uns alle in den Sälen wieder, füllt sie mit Freude", sagte sie. Zum letzten Mal wurde das alte Sessionslied "Wenn ich träume in der Nacht" gesungen. Es war das schönste Bild des Tages. Alle Zuschauer streckten die Hände gen Himmel und wiegten die Arme zum Takt der Musik, während vorne "Luftgitarren-Ralf" seine Soli zeigte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hoppeditzerwachen in Neuss

(jco)
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