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Neuss: Nackt im Drogenwahn im Dreikönigenviertel

Neuss : Nackt im Drogenwahn im Dreikönigenviertel

Weil er nackt im Drogenwahn im Dreikönigenviertel in Neuss unterwegs war, musste sich jetzt ein 40-jähriger Düsseldorfer vor dem Neusser Amtsgericht verantworten. Der drogenabhängige Mann hatte mehrere Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Dennoch musste ihn das Gericht freisprechen – aufgrund von Tabletten und Alkohol war der Arbeitslose offenbar schuldunfähig.

Weil er nackt im Drogenwahn im Dreikönigenviertel in Neuss unterwegs war, musste sich jetzt ein 40-jähriger Düsseldorfer vor dem Neusser Amtsgericht verantworten. Der drogenabhängige Mann hatte mehrere Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Dennoch musste ihn das Gericht freisprechen — aufgrund von Tabletten und Alkohol war der Arbeitslose offenbar schuldunfähig.

Die Tat hatte sich am 17. September 2010 ereignet. Damals hatte Dirk S. (Name geändert) am Düsseldorfer Hauptbahnhof einen gefährlichen Cocktail aus Tabletten und Wodka zu sich genommen. Die Folge: Der Langzeit-Drogenabhängige torkelte durch die Gegend, setzte sich in einen Zug und fuhr nach Neuss. Dort angekommen machte er sich auf den Weg ins Dreikönigenviertel. "Hier sind ihm dann mehrere Mädchen auf einem Balkon aufgefallen", sagte Richter Heiner Cöllen. Den Kindern gegenüber habe der Düsseldorfer zunächst eindeutige sexuelle Andeutungen gemacht und ihnen erklärt, er würde zu ihnen hochkommen. "Vorher hat er sich noch halb ausgezogen und die Hosen runtergelassen", so Cöllen.

Halbnackt sei Dirk S. anschließend zur Haustür des Mehrfamilienhauses gelaufen und habe an verschiedenen Wohnungen Sturm geklingelt. Einer der Mieter habe ihm auch geöffnet. "Als er den Mann dann halbnackt im Treppenhaus gesehen hat, hat er ihn rausgeworfen", so Cöllen. Völlig verängstigt über den seltsamen Auftritt des Mannes hätten sich die Mädchen derweil in ihrer Wohnung verkrochen. "Für sie war es ein traumatisches Erlebnis", befand Richter Cöllen. Hausbewohner hätten schließlich die Polizei gerufen, die habe den vor sich her torkelnden Exhibitionisten letztlich festgenommen.

Jetzt im Prozess war dem HIV-positiven und an Hepatitis C erkrankten Angeklagten das merkwürdige Geschehen sichtlich unangenehm. "Ich möchte mich bei den Kindern entschuldigen", erklärte der 40-Jährige, der inzwischen in einer betreuten Wohneinrichtung in Düsseldorf lebt, "ich schäme mich für das, was passiert ist." An den Vorgang im Dreikönigenviertel konnte er sich aufgrund seines Tabletten- und Alkohol-Konsums nicht mehr erinnern. Ein Gutachter hielt diese Darstellung für glaubwürdig, auch die beteiligten Polizisten schilderten den Angeklagten als völlig geistesabwesend zum Zeitpunkt der Festnahme. "Er war verwirrt", erklärte einer der Beamten als Zeuge, "er hat in seiner Zelle randaliert und ist permanent mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen."

Für Richter Cöllen war der Fall damit klar: Der bereits dreißig Mal vorbestrafte Düsseldorfer war zum Zeitpunkt der Tat nicht im Besitz seiner "Steuerungsfähigkeit" und damit schuldunfähig. "Deshalb mussten wir ihn freisprechen."

(NGZ)