Neuss: Nachtschicht für die Sicherheit

Neuss : Nachtschicht für die Sicherheit

Die CDU möchte an den Wochenenden kleine Gruppen von Bürgern organisieren, die als "Nachtwanderer" in der Stadt unterwegs sind. Nicht als "Bürgerwehr", sondern als Ansprechpartner und Helfer vor allem für Jugendliche

"Nachtwanderer" wollen vor allem eines: Für Jugendliche da sein und Sorge dafür tragen, dass diese sich vor allem an den Wochenenden nachts sicher in der Stadt bewegen. In Skandinavien entwickelt und längst auch schon in deutschen Städten Praxis, soll dieses Projekt auch in Neuss Schule machen. Das ist zumindest die feste Absicht der Neusser CDU, die sich am Donnerstag in erster Lesung mit diesem Modell beschäftigte.

"Nachtwanderer sind keine paramilitärische Bürgerwehr", macht André Betz klar, der das Thema für den Arbeitskreis Sicherheit und Ordnung der CDU aufbereitet hat. Sie sind auch kein Heimgeleit für Besucher der Innenstadt und gehen auch nicht in den Wohnquartieren Streife, um Einbrecher abzuschrecken. Sie gehen vielmehr als "Bürgerinitiative gegen die Wegschau-Mentalität" (Betz) dorthin, wo Jugendliche sind — und unter Alkoholeinfluss auch schon mal aneinander geraten. Deeskalierend sollen die Nachtwanderer wirken, und dazu reiche es vielleicht schon, dass sie als Gruppe im Anschluss an Feste oder vor Diskotheken präsent sind, oder Jugendliche an ihren Treffpunkten aufsuchen und ansprechen. So betrieben, hätte der Einsatz der Ehrenamtlichen auch einen Effekt auf die Gesamtlage in der Stadt und würde das Sicherheitsgefühl aller Bürger steigern.

Jugendliche sicher nach Hause bringen: Dieser Gedanke steht auch hinter dem Angebot der Nachtexpress-Busse, die seit Januar verkehren. Für dieses Zusatzangebote in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag zählen die Stadtwerke schon auf jeder Fahrt bis zu 20 Fahrgäste. Und die Zeit der großen Feste komme erst noch, betont Fahrdienstleiter Uwe Koppelmann.

Um 3 Uhr früh machen die Nachtbusse ihre letzte Fahrt. Dann soll auch der Dienst der Nachtwanderer in diesen beiden Nächten künftig beendet sein. Auf die Beine machen sie sich in anderen Städten zwischen 22 und 23 Uhr. Angesichts dieser Uhrzeiten ist Crefeld schon klar, dass der Pool der Ehrenamtlichen groß sein muss, um zwei Mal in der Woche eine Vierergruppe sicherstellen zu können.

Die Polizei kennt das Projekt bisher nur aus Berichten anderer Behörden. Aber, so Sprecher Hans-Willi Arnold, "wir begrüßen alles, was geeignet ist, die Sicherheits zu erhöhen." Man müsse abwarten, was aus dieser Initiative wird.

Das weiß deren Motor André Betz auch noch nicht. Er will nun das Projekt in Vereinen und Verbänden vorstellen und hofft, auf Interesse zu stoßen. Ein Vorteil: Dieses Ehrenamt lässt sich mit (fast) jedem Arbeitszeitmodell vereinbaren.

(NGZ)
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