Neuss: Nachbarschaftshilfe für Senioren

Neuss: Nachbarschaftshilfe für Senioren

Der Stadtteil Erfttal soll für Senioren lebenswerter werden. Dafür wurden gestern im Bürgerhaus Erfttal erste Ideen gesammelt. Ein Quartierskonzept soll entstehen, an dem Verbände, Anwohner und die Stadt mitarbeiten.

Viele Senioren stehen im Alter vor großen Problemen: Oft sind sie alleinstehend, und plötzlich auf Hilfe angewiesen. Das Gehen fällt schwer, der Weg zum Einkaufen umso mehr. Zudem sind viele Gebäude nicht barrierefrei, Treppen nicht mehr leicht zu besteigen und wenn der Aufzug im Hochhaus ausfällt, kann manch ein Rentner seine Wohnung gar nicht mehr verlassen.

Es sind Probleme, die für alte Menschen in ganz Neuss gelten — für die es aber im Stadtteil Erfttal bald Lösungen geben soll: Das Bürgerhaus, geführt vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) und das Selbsthilfenetzwerk Pro Pflege wollen in den kommenden Wochen ein Quartierskonzept erstellen. Das soll aufzeigen, welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt, und neue Wege aufzeigen, Senioren im Stadtteil zu helfen. "Wir müssen vor Ort etwas tun und dürfen nicht darauf warten, dass andere es schon richten werden", findet Pflegeexperte Werner Schell.

Und so machten sich die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung gestern daran, neue Ideen für den Stadtteil auszuarbeiten. Etwa zur Infrastruktur, dem gesellschaftlichen Miteinander oder altersgerechtem Wohnen.

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In den Arbeitsgruppen fand sich neben interessierten Anwohnern auch so mancher Experte, etwa Barbara Lux von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle des Rhein-Kreises, Seniorenberaterin Beate Müller vom Caritasverband, der Stadtverordnete Heinz Sahnen (CDU) oder die städtische Sozialplanerin Andrea Schumacher. In einigen Gruppen wurden dabei schon konkrete Probleme offenbar, etwa als Rentnerin Maria Baron von ihren Schwierigkeiten berichtete, in ihr Wohnhaus zu gelangen: "Acht Stufen sind dort, wer einen Rollator hat wie ich, kommt dort nicht hoch", klagt die Erfttalerin.

So ist ein großes Anliegen des Quartierskonzeptes die Barrierefreiheit, auch in den eigenen vier Wänden. "Viele alte Menschen leben in Wohnungen, die nicht seniorengerecht sind", sagt Caritas-Beraterin Beate Müller. Auch dort, im privaten Bereich, müsse man ansetzen, und die Senioren besser über Umbau- und Fördermöglichkeiten informieren.

Ein weiteres Anliegen, dass sich im Laufe des Nachmittags zeigte, ist eine bessere Vernetzung von Jung und Alt im Stadtteil. Die Idee, Kitas und Schulen stärker in die Seniorenarbeit einzubinden, erhielt viel Zuspruch. Nachdenklich stimmte viele Teilnehmer der Umgang mit Senioren, die ausländische Wurzeln haben. Erfttal, ein Stadtteil mit einem vergleichsweise hohen Migrantenanteil, brauche dafür spezielle Hilfsangebote, mahnte Bürgerhaus-Leiter Paul Petersen. Er will die Ergebnisse des ersten Treffens nun dokumentieren — und weitere Kooperationspartner finden für eine seniorenfreundliche Nachbarschaft in Erfttal.

(NGZ/rl)