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Neuss: Nach Todessturz: Wie sicher ist das Hafengelände?

Neuss : Nach Todessturz: Wie sicher ist das Hafengelände?

Ein 53-jähriger Obdachloser kam im Hafen tragisch ums Leben. Die Todesursache wird heute bei einer Obduktion ermittelt, Fremdverschulden aber ausgeschlossen. Diskutiert wird die Frage, ob das Unglück zu verhindern war.

Sechs Meter tief ist ein 53-Jähriger am Montagabend gegen 21 Uhr am Hafenbecken I gefallen und dabei gestorben. Endgültige Klarheit über die Todesursache des Mannes, der nach ersten Einschätzungen der Polizei offensichtlich ertrunken ist, soll heute eine Obduktion schaffen. Hinweise auf eine Beteiligung anderer Personen hätten die Ermittlungen der Kripo nicht ergeben, hält der Polizeibericht fest.

Was der 53-Jährige am Montag um 21 Uhr hinter den Gebäuden der ehemaligen Neusser Lagerhaus-Gesellschaft an der Batteriestraße suchte, weiß die Polizei nicht. Die Vermutung liege nahe, so erklärte Polizeisprecher Hans-Willi Arnold vorsichtig, dass der Obdachlose dort übernachten wollte. Hätte der Sturz verhindert werden können? Den Hafen vor unbefugtem Betreten zu schützen, gilt als nahezu unmöglich.

"Man kommt ja überall an das Wasser", erklärt Klaus Harnischmacher von der Neusser Stadthafen GmbH. Der gehört die Hafenzone noch, wo das Unglück geschah. An genau dieser Stelle wurde mit Betonbauwerken eine gerade Ladekante oberhalb der Wasserlinie geschaffen, während durch diese Konstruktion unterhalb davon zur Wasserseite hin geöffnete Räume entstanden. Dort, so Harnischmacher, habe er schon häufiger Obdachlose liegen sehen.

Auch die Neuss Düsseldorfer Häfen (NDH) wissen um das Problem der Verkehrssicherheit im Hafen. Jan-Söncke Eckel, Betriebsleiter im Hafen, verweist dazu auf die Allgemeinen Benutzungsbedingungen: "Der Aufenthalt auf den Grundstücken und Anlagen der NDH erfolgt auf eigene Gefahr." Haftung ausgeschlossen.

Der 53-Jährige, der dem Vernehmen nach Verwandtschaft in Grevenbroich hat, war am Montagabend von Zeugen bei seinem Sturz beobachtet worden. Zwei Frauen, so die Polizei, sahen den torkelnden Mann von der Laderampe auf die sechs Meter tiefer liegende Randbefestigung des Hafenbeckens stürzen und von dort ins Wasser fallen.

Beim Eintreffen der Feuerwehr trieb der Tote unter der Wasseroberfläche, etwa zwei Meter vom Ufer entfernt, berichtet Einsatzleiter Markus Brüggen. Der Verunglückte wurde mit Booten ans Ufer gebracht und über die Kaimauer gehoben. "Die Notärztin", so Brüggen, "konnte leider nur noch den Tod des Mannes feststellen."

Der Tote war im Café Ausblick seit Jahren bekannt, erklärt Werner Hein, Leiter dieser Kontaktstelle für Wohnungslose. Er habe auf der Straße gelebt, mitunter Angebote wie die Notschlafstelle Derendorfweg, das Alexius-Krankenhaus oder das Cafe Ausblick genutzt, sich zeitweise aber ganz zurückgezogen.

(NGZ)