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Neuss: Nach Mord: Politik diskutiert Notschlafstelle

Neuss : Nach Mord: Politik diskutiert Notschlafstelle

Die Ermordung eines 59-jährigen Obdachlosen am TÜV-Gebäude wird auch die Politik in Neuss beschäftigen. Stephan Zehnpfennig, Vorsitzender des Sozialausschusses, wird in der nächsten Sitzung dieses Gremiums am 10. Mai Aufklärung darüber verlangen, welche Zustände in der Notschlafstelle am Derendorfweg herrschen.

Denn dort hatten sowohl das Opfer als auch seine mutmaßlichen Täter regelmäßig übernachtet.

"Wenn ein Mensch stirbt", so Zehnpfennig, "und noch dazu unter diesen Umständen, dann gehört das auf die Tagesordnung." Dabei will er über die Rahmenbedingungen in diesem Männerwohnheim sprechen, denn dort wurde ganz offensichtlich das strikte Alkoholverbot nicht durchgesetzt worden. "Tragisch ist, dass es möglicherweise nicht zu dieser Tat gekommen wäre", sagt Zehnpfennig mit Blick auf die Erkenntnisse der Staatswanwaltschaft, wonach die beiden Tatverdächigen – bevor sie zu ihrer Bluttat aufbrachen – Bier, Wein und Schnaps in die Einrichtung brachten und mit den anderen Heimbewohnern feierten. Der 37-Jährige Svenk K. soll sich, so die Staatsanwaltschaft, im Zuge dieses Gelages zunehmend aggressiv verhalten haben. Bis er schließlich um 0.30 Uhr von dem Pförtner des Heims vor die Tür gesetzt wurde.

Von dort machte er sich mit seinem Kumpel Denis E. auf den Weg, um dem späteren Opfer noch mehr Geld abzuknöpfen. Zur Verdeckung dieses Raubes sollen sie den gebürtigen Vietnamesen mit Tritten und einer Holzlatte traktiert haben, bis sie sicher gewesen seien, dass der 59-Jährige tot war.

Die Tatverdächtigen haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen gestanden – wobei vor allem der 18-Jährige den Tatablauf sehr detailliert geschildert habe, wie Staatsanwalt Christoph Kumpa erklärt. Er erließ Haftbefehl wegen Mord, und ein Haftrichter schickte die Tatverdächtigen in Untersuchungshaft.

Die Stadt, so betonte Sozialdezernent Stephan Hahn, sieht keinen Anhaltspunkt für ein Fehlverhalten eines Mitarbeiters in der "Hin- und Herberge" am Derendorfweg während der Mordnacht.

Dass die Einrichtung auch in der Obdachlosenszene nicht den besten Ruf hat, belegt Carsten (37). Er meidet das Haus ("Da würde ich eher noch zelten"), denn Übergiffe seien nicht selten. "Man behält seine Klamotten nachts am besten am Leib. Sonst werden sie geklaut."

(NGZ)