Johanna Etienne Mutter, Schwester und Erzieherin

Johanna Etienne · Von Carsten Greiwe Ein Festakt am Freitag, Festgottesdienst und Feierstunde am Samstag in Grimlinghausen gelten einer Frau, deren Lebenswerk die Stadt Neuss bis heute mit prägt: Schwester Johanna Etienne. Sie gründete vor fast 160 Jahren die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern nach den Regeln des heiligen Augustinus, die sich bis in die Gegenwart der Krankenpflege verschrieben hat. Die Verdienste dieser Gemeinschaft wie auch ihrer Gründerin würdigt die Stadt am Freitag durch Verleihung des Stadtsiegels in Silber.

Von Carsten Greiwe Ein Festakt am Freitag, Festgottesdienst und Feierstunde am Samstag in Grimlinghausen gelten einer Frau, deren Lebenswerk die Stadt Neuss bis heute mit prägt: Schwester Johanna Etienne. Sie gründete vor fast 160 Jahren die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern nach den Regeln des heiligen Augustinus, die sich bis in die Gegenwart der Krankenpflege verschrieben hat. Die Verdienste dieser Gemeinschaft wie auch ihrer Gründerin würdigt die Stadt am Freitag durch Verleihung des Stadtsiegels in Silber.

Als die Begründerin der Neusser Augustinerinnen, Johanna Etienne, im Jahre 1880 ihre Goldene Ordensprofess feierte, lag ein dunkler Schatten auf Orden und Kirche. Der Kulturkampf hatte zahlreiche Ordensgemeinschaften aus Preußen vertrieben und auch die "Barmherzigen Schwestern nach der Regel des Heiligen Augustinus" hatten unter der Verfolgung des preußischen Staates zu leiden.

Da wurden die Profess-Feierlichkeiten für Johanna Etienne zu einer öffentlichen Demonstration der Neusser für "ihre" Mutter Johanna und deren Mitschwestern. Bereits im Jahr darauf starb die Ordensgründerin wenige Tage vor ihrem 75. Geburtstag. Am Freitag vor 200 Jahren wurde Mutter Johanna als Magdalena Etienne in Grimlinghausen geboren. Über ihre Jugend wissen wir wenig. Mit 17 Jahren trat sie in den Orden der Cellitinnen nach der Regel des Heiligen Augustinus in Düsseldorf ein.

1830 legte sie dort die Ewigen Gelübde ab und erhielt den Namen Schwester Johanna. "Sie muss über Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft verfügt haben, denn schon im Alter von 25 Jahren wurde Schwester Johanna von der Oberin beauftragt mit der königlich-preußischen Regierung wegen der Übernahme eines verlassenen Klosters der Karmelitinnen durch die Düsseldorfer Cellitinnen zu verhandeln", berichtet Claudia Chehab über die Frühzeit ihres Wirkens.

Die stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs fährt fort: "Dies tat sie so erfolgreich, dass der preußische König das Gebäude dem Kloster 1831 zur Errichtung eines Krankenhauses schenkte." Währenddessen war das städtische Spital an der Neusser Brückstraße in keinem guten Zustand. Die Regierung forderte von der Stadt eine Reorganisation der Einrichtung, die damals nicht nur Kranken, sondern auch Geisteskranke und Waisenkinder aufnahm.

Die Stadt rief die Düsseldorfer Cellitinnen mit der Bitte, die Leitung des Spitals zu übernehmen. Der Orden schickte 1844 Schwester Johanna mit einigen Mitstreiterinnen, die sich sofort der Krankenpflege und der wirtschaftlichen Führung des Hauses annahmen. Der Neusser Historiker Joseph Lange macht darauf aufmerksam, dass die Cellitinnen die ersten Ordensfrauen waren, die seit der Aufhebung der Klöster und der Vertreibung der Nonnen unter den Franzosen um 1800 wieder in Neuss ansässig wurden.

Auf Bitten der Stadt Neuss trennten sich die Neusser Cellitinnen bereits zwei Jahre später vom Düsseldorfer Mutterhaus. Johanna Etienne gründete die Neusser Augustinerinnen als selbständige Neusser Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern. Deren Statuten wurden erst 1851 durch Stadtrat und Erzbischof und im Jahr darauf durch den preußischen König genehmigt. "Die neu gegründete Genossenschaft trug die Tracht der Augustinerinnen und zusätzlich zum schwarzen Gürtel einen Rosenkranz", berichtet Chehab.

Als 1854 das Dogma von der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria verkündet wurde, veranlasste Mutter Johanna, jeder Schwester den Namen Maria vor den Ordensnamen zu setzen. Chehab: "Mutter Johanna war eine eindrucksvolle und überzeugende Persönlichkeit." In der Ordenschronik ist wie zur Bestätigung dieses Urteils nachzulesen.

"Mit großer Entschiedenheit und bewundernswürdiger Sicherheit sehen wir sie Candidatinnen aufnehmen und wieder entlassen, unbekümmert um den Einspruch der Hospital-Verwaltung u. des Stadtrates, einzig bedacht dem Herrn Bräute nach seinem Herzen zu geben und die angegliederten Schwestern in hl. Zucht der klösterlichen Tugenden heranzubilden. Ihre ausgedehnte Wirksamkeit umfasste die Pflichten der Mutter, Schwester und Erzieherin der angehenden Ordensfrauen und der milden und gerechten Vermittlerin der Pflegenden und Pflegebefohlenen."

Unterdessen wuchsen der Gemeinschaft neue Aufgaben zu. Mutter Johanna - sie wurde 1858 einstimmig zur Oberin gewählt - erwarb ein kleines Landgut vor dem Obertor, das im Volksmund schlicht "Gütchen" - nach rheinischer Sitte "Jütchen" - genannt wurde. Dort errichtete sie noch im Jahr ihrer Wahl eine "Privat-Pflegeanstalt für Geistes- und Gemütskranke weiblichen Geschlechts". Dieses Josefskrankenhaus wurde 1861 das neue Mutterhaus der Gemeinschaft und blieb es bis zur Einweihung des Klosters Immaculata im Jahre 1935.

Unter der Führung von Mutter Johanna gründeten die Neusser Augustinerinnen zahlreiche Filialen außerhalb der Quirinusstadt: im Rheinland, Belgien und den Niederlanden. "1868 trat Mutter Johanna zurück, da sie sich den steigenden Anforderungen ihres Werkes nicht mehr gewachsen fühlte", berichtet Joseph Lange. Von ihrer Nachfolgerin als Generaloberin wurde sie an das Hospital versetzt, den Ursprung ihrer Arbeit in Neuss. Etwas später übernahm Schwester Johanna Etienne die Leitung eines Invalidenhauses, das die Hospitalverwaltung im St.-Sebastianus-Kloster eingerichtet hatte.

Die Patres selbst waren noch während des Kulturkampfes ausgewiesen worden. Es war die letzte Station für Mutter Johanna, die dort 1874 als Oberin einzog. Sie starb dort 1881 und wurde im Schwesterngrab auf dem städtischen Friedhof beigesetzt. An die Ordensgründerin erinnert heute die Johanna-Etienne-Straße in ihrem Geburtsort Grimlinghausen, das Johanna-Etienne-Krankenhaus in der Nordstadt und eine Tafel an ihrem Geburtshaus.

Die Neusser Augustinerinnen hatten noch nach dem Krieg mehr als 600 Schwestern in 44 Niederlassungen an 30 Orten. Sie führten zahlreiche Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen. Jetzt wird das Werk der Schwestern in der Stiftung "Cor unum" weitergeführt. Aus Anlass des 200. Geburtstages von Johanna Etienne wird dem Orden am Freitag im Rahmen eines Festaktes das Große Stadtsiegel in Silber verliehen, die höchste Auszeichnung der Stadt Neuss.

(NGZ)
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