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Familientragödie in Neuss: Mutmaßlicher Mörder flieht in den Irak

Familientragödie in Neuss : Mutmaßlicher Mörder flieht in den Irak

Dem mutmaßlichen Dreifach-Mörder von Neuss ist offenbar die Flucht aus Deutschland gelungen. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstagmorgen mitteilte, hat der international gesuchte Fallah Sänger bereits am Montagnachmittag unmittelbar nach der Tat Deutschland verlassen. Sein Ziel ist offenbar der Irak.

Ob Sänger den Irak bereits erreicht hat, oder sich noch in der Türkei befindet, kann derzeit nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden.

Polizei und Staatsanwaltschaft waren Sänger nach den tödlichen Schüssen auf seine 26-jährige Frau und die beiden vier und acht Jahre alten Kinder auf die Spur gekommen, indem sie die Passagierlisten an den großen NRW-Flughäfen überprüft haben.

Dadurch habe man festgestellt, dass Sänger am Montagnachmittag eingecheckt und Deutschland in Richtung Türkei verlassen habe. "Die Fahnder gehen davon aus, dass die Flucht weiter in den Irak geht", hieß es.

Der 35-jährige Deutsche Fallah Sänger stammt aus dem Irak. Jetzt wird international nach ihm gefahndet. Sollte ihm jedoch die Flucht in den Irak gelingen, gebe es dort mangels entsprechender Abkommen keine Möglichkeit zu weiteren Ermittlungen, sagte ein Sprecher.

Die Ausreise erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem die Tat noch nicht entdeckt war. Offensichtlich hat sich der Gesuchte zeitnah zur Tat in einem Reisebüro ein Flugticket besorgt.

Da der Todeszeitpunkt noch nicht abschließend feststeht, ist unklar, ob der Tatverdächtige dieses Ticket vor oder nach der Tat erworben hat. Diese Frage wird geklärt werden, wenn das Gutachten der Rechtsmedizin zur Todeszeitbestimmung vorliegt.

Gegenüber unserer Redaktion hat sich inzwischen der Großvater der beiden Kinder und Vater der Ehefrau Sängers zu der Tragödie geäußert.

Am Mittwochabend haben rund 500 Menschen bei einem Trauermarsch von der Neusser Innenstadt bis zur Kaarster Straße der drei Getöteten gedacht. Der Marsch war kurzfristig über Facebook organisiert worden.

Bis Mittwoch waren bereits mehr als 50 Hinweise bei der Polizei eingegangen, alle aus Nordrhein-Westfalen. Eine heiße Spur sei aber zunächst nicht dabei gewesen, teilte die Polizei mit.

Am Dienstag hatte die Polizei, nachdem sie den richterlichen Beschluss eingeholt hatte, die Öffentlichkeitsfahndung mit einem Foto nach Fallah Sänger gestartet. Außerdem wurde eine Belohnung von 1500 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung von Fallah Sänger führen.

Bei einer Pressekonferenz hatten Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass Sänger als gewaltbereit bekannt war und dass es mehrfach Fälle von häuslicher Gewalt gegen seine Frau gegeben habe, jedoch nie auf diesem Niveau. Gegenüber seinen Kindern habe Sänger nach erkenntnissen der Behörden jedoch nie Gewalt angewendet.

Am Montagabend hatte die Polizei die Leichen von Sängers Ehefrau Saskia und den beiden gemeinsamen Kindern Samara und Ismael in ihrer Wohnung auf der Kaarster Straße gefunden. Angehörige, die mit der jungen Frau verabredet waren, hatten sich Sorgen gemacht, weil die 26-Jährige nicht die Tür geöffnet hatte und die Polizei verständigt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rund 500 Menschen nehmen an Trauermarsch teil

(APD/url)