Mutmaßlicher Giftköder-Fall in Neuss - Hund frisst Würstchen und stirbt

Mutmaßlicher Giftköder-Fall in Neuss: Hund frisst Würstchen und stirbt

In Neuss-Weckhoven ist ein Hund offenbar an einem Giftköder gestorben. Der Stadt lässt nun den Kommunalen Sicherheitsdienst Streife gehen. Eine Warnung an andere Hundebesitzer löst eine Debatte aus.

Spike war kerngesund. Das bestätigt der Tierarzt, der die 13 Monate alte französische Bulldogge erst vor kurzem ausgiebig untersucht hatte. Trotzdem konnte der Veterinär nur noch den Tod feststellen, als ihm Klaus Knuppertz seinen Hund in der Praxis an der Bockholtstraße auf den Behandlungstisch legte. Auch ohne Autopsie und mit Blick auf die Todesumstände ist der Arzt so gut wie sicher: Spike wurde vergiftet. Eine Tragödie für die Familie — und ein heiß diskutiertes Thema in den sozialen Medien.

Nicht alles, was zum Beispiel auf Facebook zu lesen ist, könne er bestätigen, sagt der Weckhovener. „Da wurde viel hinzu getextet und doppelt interpretiert“, sagt er. Wenn bei Facebook behauptet wird, dass schon vier Hunde in Weckhoven an Giftködern verendet sind, entspricht das nicht seinem Kenntnisstand. „Ich weiß nur von unserem Hund.“ Aber das sei schlimm genug.

Spike starb am 8. November. Knuppertz elfjährige Tochter und eine Freundin waren mit dem Hund zwischen dem Friedhof Weckhoven und dem Golfplatz unterwegs, als der Hund am Wegesrand etwas erschnupperte und gierig verschlang. Ein Bockwürstchen, wie Knuppertz sagt. Denn Spike erbrach den Brocken fast umgehend — und war nur Sekunden später tot. Vermutlich starb er an einem Gift, sagt der Tierarzt, mit dem in südeuropäischen Ländern gegen Straßenhunde vorgegangen wird. „Solche Medikamente sind hier nicht frei verkäuflich — im Ausland schon.“

Der Polizei liegt keine entsprechende Anzeige vor, berichtet eine Behördensprecherin. Das stimme, sagt Knuppertz, er sei aber noch am Unglückstag und am Tag darauf dort gewesen. Auch dem Ordnungsamt meldete er den Fall. Seitdem lässt die Stadt in Weckhoven die Mitarbeiter des Kommunalen Sicherheitsdienstes Streife laufen.

Knuppertz selbst hängte Warnhinweise auf, die Hundefreunde wie Rosali Markiewiez lasen und ihrerseits via Facebook Warnhinweise verbreiteten. „Ich gehe da selbst immer lang“, sagt sie. Von weiteren Vergiftungsfällen will sie von einer guten Freundin erfahren haben.

Im Haus Knuppertz ist seitdem nichts mehr wie vorher. „Spike war wie ein Familienmitglied“, sagt Klaus Knuppertz, der den Hund im eigenen Garten begraben hat. Vor allem seine elfjährige Tochter leide unter dem Verlust, sagt er. Sie hatte sich den Hund so sehr gewünscht, dass sie sogar alleine zur Sparkasse gelaufen war, um ihr Konto mit dem Geld von der Erstkommunion zu plündern. Die Eltern können den Kummer gerade ihrer Tochter nicht mit ansehen. Im Mai kommt ein neuer Hund ins Haus.

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