1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Muslime sehen sich unter Generalverdacht

Neuss : Muslime sehen sich unter Generalverdacht

Nach den Terroranschlägen in Paris hat das bunte Miteinander der Kulturen in Neuss einen Knacks bekommen.

Für Bouchra el Maazi war es eine Herzensangelegenheit, sie hatte am Samstag zum Weißen Marsch aufgerufen und in Kooperation mit dem "Raum der Kulturen" rund 200 Neusser mobilisiert. "Wir müssen uns bewegen und zeigen, dass wir ein Zeichen gegen den Terror setzen wollen", sagt sie.

Denn die Folgen der Anschläge seien gerade für Muslime spürbar. "Ich muss mich immer mehr rechtfertigen, als Migrantin und als Muslima", erklärt el Maazi. Das bunte Miteinander der Kulturen habe einen Knacks bekommen. Weil die meisten Terrorakte im Namen des Islam verübt werden, scheine ein Generalverdacht gegen Muslime zu bestehen.

Ähnlich erlebt das Durdu Yavuz. Sie ist Vorsitzende des Vereins "Puzzle-Frauen", der sich für den Austausch der verschiedenen Nationalitäten einsetzt. "Nach den Terroranschlägen ist man in der Öffentlichkeit Blicken ausgeliefert, besonders wenn man ein Kopftuch trägt", berichtet sie. Das macht die junge Frau zwar traurig, bestärkt sie aber auch in ihrer Arbeit. Nur über das aufeinander Zugehen, den Austausch und das Kennenlernen könne man falsche Bilder über die Religionen und die friedvollen muslimischen Gemeinden abbauen und Vertrauen gewinnen.

  • In einer Woche registrierte Professor Hinrich
    Patienten in Sorgen wegen Thrombose-Gefahr : Ansturm von Geimpften auf Radiologie in Neuss
  • Die französische Polizei sperrt am Freitag
    Rambouillet : Frankreich sucht mögliche Komplizen nach Bluttat auf Polizeiwache
  • Aladin Smajlovic (links) und Hüseyin Semiz
    Miteinander der Kulturen in Kamp-Lintfort : Integrationsrat will ein Sprachrohr sein

Beklemmend war die Woche nach den Anschlägen auch für Jad Hassoun. Der junge Syrer ist vor dem Terror in seinem Land geflüchtet. "Ich habe so etwas wie in Paris selbst gesehen", erklärt er. Jetzt hat der junge Mann Angst, dass ihn die Ereignisse aus der Heimat hier wieder einholen. "Wir sind doch alle Menschen, wir müssen zusammen halten", appelliert er.

Das meint ebenfalls Gerd Faruß vom Kinderhilfswerk "Terres des hommes". "Wir müssen einfach aufstehen, um zu zeigen, was nicht geht", sagt er.

Der stille Marsch am Samstag machte daher auch den Muslimen in Neuss Mut. Denn viele Nicht-Muslime zeigten mit ihrer Teilnahme, dass der Argwohn gegen den Islam als Religion nicht überall Nährboden findet.

(tebö)