Neuss: Muslime dürfen in Neuss Schützenkönig werden

Neuss : Muslime dürfen in Neuss Schützenkönig werden

Der Bürger-Schützen-Verein lässt - im Gegensatz zu Bruderschaften - Königsbewerber unabhängig von der Religionszugehörigkeit zu.

Über den Streit um einen muslimischen Schützenkönig in einer katholischen Bruderschaft im westfälischen Werl kann Thomas Nickel nur den Kopf schütteln. "Was da passiert, kann ich nicht nachvollziehen", sagt der Präsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins und CDU-Politiker. "Der Mann ist verheiratet mit einer Katholikin, hat katholische Kinder, auch der Ortspfarrer hat es akzeptiert, wieso dann nicht die Bruderschaft?" Die Werler Schützenbruderschaft hatte ihren König zum Bezirksvogelschuss angemeldet. Dort erfuhr sie, dass ein muslimisches Mitglied nicht der Satzung entspreche.

"Im Neusser Bürger-Schützen-Verein könnte so etwas nicht passieren", versichert Nickel. Über 7500 Schützen und Musiker marschieren dort mit. "Wir sind ein bürgerlicher Verein und keine katholische Bruderschaft. Bei uns darf jeder mitwirken, der unsere christlichen Wertvorstellungen mitträgt." So setzten sich die Mitglieder denn aus Christen, Muslimen und Nicht-Gläubigen zusammen. "Wir hatten schon zwei Muslime, die Interesse hatten, König zu werden", berichtet Nickel, "sie sahen auch kein Problem darin, am Schützenfest-Sonntag mit zum Hochamt zu gehen."

Bei den katholischen Schützenbruderschaften dagegen sind die Regeln klar, wie Hans-Werner Prinz, Geschäftsführer der größten Neusser Schützenbruderschaft - den St. Sebastianern auf der Furth - erklärt: "Eine Schützenbruderschaft ist nun mal eine eine christliche Vereinigung, die christliche Ideale verfolgt. Da kann jemand muslimischen Glaubens nicht aufgenommen werden", sagt er. "Umgekehrt wäre das ja auch nicht möglich." Muslime hätten aber auf der Furth die Möglichkeit, dem Regiment beizutreten, das nicht als Bruderschaft organisiert sei. Auch in den Bruderschaften vor Ort könnten, so Prinz, Ausnahmen gemacht werden.

"Aber nicht auf den höheren Ebenen: "Schließlich sind kirchliche Bindungen nötig, um Auszeichnungen für christliche Werte zu erhalten, wie das Silberne Verdienstkreuz, den Hohen Bruderschaftsorden oder das St.-Sebastianus-Ehrenkreuz." Man überlege zwar seit vergangenem Jahr, den Zugang etwas zu lockern. Aber das dauere.

Für Hakan Temel sind solche Sichtweisen "ein Unding". "Das ist doch alles nicht mehr zeitgemäß", sagt der türkischstämmige SPD-Politiker. Weder christliche noch muslimische Vereine sollten Andersgläubige ausgrenzen. "Ein Schützenverein ist doch kein klassischer Kirchenverein. Es geht ums Zusammensein und Brauchtum." Ein Schützenverein lebe von den Bürgern. "Da ist es doch gut, wenn er ein Spiegelbild der Gesellschaft ist." Temel appelliert: "So etwas wie in Werl sollte hier kein Thema sein."

(NGZ)
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