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Neuss: Musikschule will sich in Kitas engagieren

Neuss : Musikschule will sich in Kitas engagieren

Mit einem Festakt für geladene Gäste und einem Musikfest für alle Neusser feiert die Musikschule morgen ihren 50. Geburtstag. Reinhard Knoll steht seit 1986 an der Spitze der Einrichtung, zieht Bilanz und sieht Herausforderungen.

Nüchtern wirkt er – der Arbeitsraum eines Mannes, der doch auch Musiker ist. Mit typischen Büromöbeln, Laptop auf dem Tisch, Aktenstapeln auf dem Regal. Aber immerhin: Der große glänzende Flügel in einer Ecke, auf dessen Notenablage aufgeschlagen eine Partitur von Johann Sebastian Bach liegt, verrät die eigentliche Passion von Reinhard Knoll. "Der Flügel ist mein eigener", sagt er lächelnd, und wenn er in gut dreieinhalb Jahren in Rente gehen wird, geht der Flügel mit.

Aber das ist jetzt noch weit weg. Erst mal steht ein runder Geburtstag an – der 50. der Musikschule, die Knoll seit 1986 leitet. Er ist der dritte Chef, nach Gründer Helmut Trott und dessen Nachfolger Dankwart Hallauer. Dafür hat die Musikschule selbst mittlerweile die fünfte Neusser Adresse. Aber das Romaneum, in dem die Einrichtung seit Beginn vergangenen Jahres untergebracht ist, dürfte wohl auch die endgültige sein.

Am 1. Mai 1963 wurde die Neusser Musikschule offiziell ins Leben gerufen, aber Unterrichtsräume für die jungen Musiker gab es damals noch nicht. "Nur Verwaltungsräume an der Hafenstraße", erzählt Knoll, "der Unterricht fand vor allem in den Schulen statt."

Dezentral sagt man heute, denn längst gehört es (wieder) zum Wesen der Musikschule, außerhalb des Stammhauses zu unterrichten. Rund 1500 Musikschüler werden in den Stadtteilen, in Schulen an ihren Instrumenten unterrichtet, sagt Knoll, rund 2000 mit Instrumentalunterricht in der Zentrale an der Brückstraße und weitere 6500 Teilnehmer kommen über besondere Programme wie Elementare Musikerziehung oder Projekte wie "Jedem Kind seine Stimme" (Je-KiSti) in der Grundschule dazu.

Was hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht alles geändert: ganz entscheidend etwa die Einstellung zum Unterricht: "Alte Schubladen wurden aufgebrochen", sagt Knoll, der Klavier und Geige lehrt, "heute wird mit Musikschulunterricht kein außerordentliches Talent mehr verbunden. Es reicht, eine normale, ordentliche Begabung zu haben." Halbe Geigen, halbe Celli für kleine Kinderhände – die habe es früher nicht gegeben: "Da hätte man höchstens drüber gelächelt." Auch die Literatur des Unterrichts hat sich verändert: "Einen absoluten Schwerpunkt auf Alte Musik im Unterricht würde man heute nie mehr machen." Filmmusik, überhaupt Musik, die zur Lebenswelt des Schülers gehört, bestimmt heute den Stoff. "Wir holen das Kind, den Jugendlichen nicht einfach nur ab, sondern bauen seine Welt in den Unterricht ein", sagt Knoll.

9000 Musikschüler zählt Knolls Haus heute also pro Jahr – eine stolze Zahl, die sicher im oberen Bereich bei den bundesdeutschen Musikschulen liegt? "Wenn man das in Relation zu den Einwohnerzahlen sieht, ganz sicher", sagt Knoll, der allerdings auch nur zu genau weiß, dass seine Einrichtung in Zeiten von G8-Abitur und Ganztagsschulen vor großen Herausforderungen steht.

Unter der Woche haben Kinder und Jugendliche immer weniger Zeit für Instrumentalunterricht. "Die meisten Eltern wünschen sich inzwischen Freitagstermine", sagt Knoll, "das bringt uns von Fall zu Fall in Belegungsschwierigkeiten." Dafür gibt es von Montag bis Donnerstag mehr Luft, und schon jetzt, nach einem Jahr, so Knoll, habe sich bewährt, dass das Romaneum von drei Einrichtungen genutzt wird (noch VHS und Fernuni Hagen) und freiwerdende Raumkapazitäten immer einen Abnehmer finden.

Dennoch: An Nachfrage für Instrumentalunterricht ist kein Mangel. "Wir haben teilweise Wartelisten", sagt der Musikschulchef, der zudem noch darauf wartet, dass ein politischer Beschluss vom Dezember vergangenen Jahres über die Rücknahme von durch die Verwaltung verordneten Stundenreduzierungen auch umgesetzt wird. Im Sinne auch der Planungssicherheit für die Schule und ihre Dozenten hofft er da auf eine baldige Entscheidung der Verwaltungsspitze.

An den Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendlichen durch den neuen Schulalltag werde man nichts ändern können, sagt Knoll ganz pragmatisch. Umso wichtiger ist ihm, mit neuen Konzepten dieser sich ändernden Wirklichkeit zu begegnen: "Wir werden vor allem den Bereich der Elementaren Musikerziehung schon bei Kita-Kindern stärken müssen."

Und wenn er sich zum 50. Geburtstag der Musikschule etwas wünscht, dann das: "Dass wir auf den Themenfeldern, die uns wichtig sind, konstruktiv arbeiten können." Eines davon betrifft auch die Zusammenarbeit mit den Neusser Schulen: "Die funktioniert schon jetzt sehr gut, wird aber immer wichtiger."

(NGZ)