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Neuss: Musikschule unter Sparzwang

Neuss : Musikschule unter Sparzwang

Die Musikschule soll bis Ende des nächsten Jahres 133 Unterrichtsstunden einsparen. Das geht nur mit Streichungen quer durch alle Bereiche. Zudem kommen dadurch mindestens 270 Schüler pro Jahr weniger ins Romaneum.

Die Order gilt für alle: Die Stadt muss sparen und geht deswegen auch an den Personalbestand. Auslaufende oder befristete Verträge sollen nicht mehr verlängert werden, was im Kultursektor vor allem die Musikschule trifft, in der 155 von den insgesamt 1133 Unterrichtsstunden pro Jahr von Dozenten mit befristeten Verträgen gegeben werden. Hinter dieser Zahl stehen auch Kinder und Eltern, die sich einen Instrumentalunterricht in dem gerade frisch bezogenen Domizil der Musikschule, dem Romaneum, wünschen und nun auf die Warteliste gesetzt werden.

Schon vor den Sommerferien hat der Leiter der Musikschule, Reinhard Knoll, mit den betroffenen Lehrern geredet und den neuen Stundenplan danach aufgestellt. Denn nach der Vorgabe der Verwaltung soll er von den insgesamt 1133 Unterrichtsstunden im Jahr bis Ende 2012 genau 83 einsparen, und im nächsten Jahr weitere 50, so dass schließlich die Zahl der Unterrichtsstunden nach derzeitigem Stand bei 1000 einfriert.

Keine Azubis in der Bibliothek

Konkret bedeutet das eine Stundeneinsparung von mehr als zehn Prozent und am Ende eine Unterrichtsstruktur, bei der noch nicht einmal zwei Dutzend der Unterrichtsstunden von Dozenten mit befristeten Verträgen geleistet werden. Derzeit werden ihnen die Stunden dort gestrichen, wo Schüler abmeldet werden. Was im Einzelfall bedeuten kann, dass ein Dozent statt bisher zehn künftig nur noch sechs Stunden gibt. Genauso gut aber kann er durch die Reduzierung seine Arbeit an der Musikschule auch ganz verlieren.

Das aktuelle Einsparungsziel wird für die Musikschule auch dadurch nur unwesentlich leichter, dass in diesem Jahr 14 Unterrichtsstunden wegfielen, weil die Dozenten dafür nicht gefunden werden konnten. Diese 14 kann Knoll nun miteinrechnen, aber muss ansonsten "kreuz und quer" in allen Bereichen Stunden streichen. Besonders betroffen seien jene für Klarinette, Saxophon, Streichinstrumente und Klavier. "Für den Cello-Unterricht bedeutet das zum Beispiel, dass wir die nächsten zwei Jahre keine Neuanmeldungen annehmen können und das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Ensemble-Unterricht", sagt Knoll.

Hochgerechnet bedeutet die Einsparung von insgesamt 133 Stunden mindestens einen Schülerrückgang von 270 pro Jahr, denn jede Stunde wird mit zwei bis drei Schülern veranschlagt.

Nach Auskunft von Kultur- und Schuldezernentin Christiane Zangs ist die Musikschule derzeit die einzige Einrichtung in der Kultur, die Personal einsparen muss. Gleichwohl gibt es auch in der Stadtbibliothek Auswirkungen der allgemeinen Sparpläne: Vorerst werden dort keine neuen Auszubildenden eingestellt. Zwei pro Jahr waren es in der Vergangenheit, die ihre Laufbahn im Haus am Neumarkt begonnen haben.

(NGZ)