Neuss: Musikalische Breitenarbeit

Neuss : Musikalische Breitenarbeit

Mit Beginn des neuen Schuljahres startet die Musikschule an über 40 Neusser Grundschulen ein bundesweit (noch) einmaliges Projekt: "Jedem Kind (s)eine Stimme ".

Neuss So schnell kann's gehen, wenn alle an einem Strang ziehen: Nur ein gutes halbes Jahr hat es gedauert, um das Projekt "Jedem Kind (s)eine Stimme" von der Idee bis zum umsetzungsreifen Konzept auf die Beine zu stellen. Inklusive der Finanzierung.

Mit Beginn des neuen Schuljahrs startet damit an 42 Neusser Grundschulen eine Aktion, die bundesweit Pilotcharakter haben könnte. Über 1000 Grundschüler der zweiten Jahrgangsstufe kommen dabei in den Genuss eines besonderen Musikunterrichts, der sich ganz auf das Singen konzentriert.

Geleitet wird er im Team-Teaching von einem Lehrer der jeweiligen Schule und einem von der Musikschule entsandten Gesangspädagogen - angesiedelt innerhalb des normalen vormittäglichen Stundenplans und angesetzt mit zweimal eine Stunde pro Woche. Und vor allem: für die Eltern kostenlos.

Für Reinhard Knoll, Leiter der Musikschule und Initiator des Projekts, basiert diese Form der musikalischen Breitenarbeit auf zwei Bausteinen: "Vor dem allgemeinen Bildungshintergrund stärken wir zum einen die Schulmusik; und zum zweiten fördern wir mit dem Projekt die elementare Musikalisierung der Kinder in Neuss."

Musik, so findet er, "lässt sich am besten erfahren, wenn man sie macht". Unter dem "Dach des Singens" sei das am einfachsten, glaubt er, denn: "Eine Stimme hat jeder." Dabei geht es indes nicht nur um das Singen an sich, sondern auch um den Weg dahin und den Umgang mit der eigenen Stimme.

Sprecherziehung, Stimmbildung, elementare Grundkenntnisse in Rhythmik, Bodypercussion und Notation sind feste Unterrichtsbestandteile, sollen den Kindern die Basis vermitteln, die eigene Stimme als sehr persönliches Ausdrucksmittel zu begreifen. Natürlich ist das mit viel Praxis verbunden, werden etliche Lieder und Chorsätze eingeübt.

Dass die Idee gewissermaßen Schule machen darf, ist auch der Kooperation mit der Schulrätin Ulrike Hundt zu verdanken. Sie wurde von Dr. Christiane Zangs, ins Boot geholt, denn für die Beigeordneten für Schule und Kultur hat das Projekt genauso wie für Knoll wichtige soziale Effekte: "Wer singt, lernt auch die Sprache", sagt Zangs und denkt dabei besonders an Schulen mit vielen Migrationskindern; und Knoll ergänzt: "Erfahrungen mit Chorklassen an Schulen haben gezeigt, dass der Zusammenhalt dort sehr groß ist."

Auch Bürgermeister Herbert Napp musste nicht lange zur Unterstützung überredet werden, er setzte sich wiederum bei der Jubiläumsstiftung der Sparkasse für die Sache ein. Mit dem Ergebnis, dass der Vorstand recht zügig beschloss, dass das "Projekt in den Rahmen und zur Außendarstellung passt", wie Vorstandsmitglied Heinz Mölders erklärte.

80 000 Euro, die Hälfte der Gesamtkosten, wird von der Stiftung getragen, die andere Hälfte übernimmt der NRW-Staatssekretär für Kultur, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff.

Denn auch bei ihm stieß das Projekt laut Zangs sofort auf große Zustimmung; er votierte zudem dafür, dass es wissenschaftlich begleitet und schriftlich festgehalten wird, "damit die Erkenntnisse auch von anderen genutzt werden können", erklärte Christel Schmidt-Hofmann, Ministerialrätin der Staatskanzlei, bei der Vorstellung des Projekts. Sie betonte zudem, dass das Projekt auch mit dem NRW-Schulministerium abgestimmt sei.

Die Organisation des Projekts liegt zwar bei der Musikschule, aber nur mit eigenen Kräften könnte die Einrichtung das Projekt nicht stemmen. 16 Gesangspädagogen wurden deshalb zusätzlich als Honorarkräfte verpflichtet; das Konzept für den Unterricht mit den drei Bausteinen Pädagogik, Rhythmik und Gesang hat Knoll "ganz bewusst von aushäusigen Fachleuten" erarbeiten lassen. Es gilt als verbindliche Grundlage für den Musikunterricht.

(NGZ)