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Neuss: Musik zum Dialog der Kulturen

Neuss : Musik zum Dialog der Kulturen

Der Künstler "Zele Mele" sang zur Eröffnung der "interkulturellen Woche" in mehreren Sprachen. Im Foyer des Rathauses war die Stimmung sehr freundlich – viele bedrückende Geschichten gab es aber an den Schautafeln.

Der Künstler "Zele Mele" sang zur Eröffnung der "interkulturellen Woche" in mehreren Sprachen. Im Foyer des Rathauses war die Stimmung sehr freundlich — viele bedrückende Geschichten gab es aber an den Schautafeln.

Das Stimmengewirr hallt vom Foyer durch weite Teile des Rathauses. Es wird türkisch gesprochen, indisch, arabisch und deutsch. Das Geräusch, das aber überwiegt, ist ein universelles: Das Lachen ist die Sprache, in der alle Völker sich verstehen.

Bei der Eröffnung der "interkulturellen Woche" geschah gestern genau das, was der etwas sperrige Titel der Veranstaltungsreihe meint: Menschen aus verschiedenen Kulturen standen im fröhlichen Dialog beieinander und tauschten sich aus.

Für beste Stimmung sorgten auch "Zele Mele" und der Musikexpress der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Der Musiker, der lieber bei seinem Künstlernamen genannt werden will, zupfte auf dem "Saz" oder "Baglama" genannten Instrument virtuos die Saiten und sang dazu mit melodiöser Stimme auf arabisch, türkisch, kurdisch, armenisch und "zazaki", der mit dem Kurdischen verwandten Sprache aus dem Osten der Türkei. Nervös war "Zele Mele" vor dem Auftritt auch ein wenig: "Ich will zum ersten Mal ein Lied singen, dass ich geschrieben und komponiert habe — auf deutsch", sagte der Künstler, der dann die Weltpremiere seines Stückes "Weil" feierte.

So freundlich Musik und Stimmung auch waren, so ernst waren indes die Töne, die an den verschiedenen Ständen und Schautafeln angeschlagen wurden. Am Stand des "Freundeskreises der Deutschen aus Russland" stand ein Satz, der ein zentrales Thema der unter dem Titel "Herzlich willkommen — wer immer du bist" stehenden interkulturellen Woche berührte: den Versuch, Vorurteile abzubauen. "Das menschliche Erbgut gleicht sich zu 99 Prozent", stand da. "Ob ein Mensch gegen Vorurteile kämpfen muss, darüber entscheidet gerade einmal 0,1 Prozent."

Der Fachdienst für Integration und Migration der Caritas in Neuss hatte passend dazu die "Stolpersteine der Migration" plastisch dargestellt: Auf Steinen standen Worte wie "Vorurteile", "Sprache", "Fremdsein" oder "Heimweh", zudem waren einige Fallbeispiele von Migranten aufgeführt. "Rania A., 40 Jahre aus Syrien, verheiratet, drei Kinder, Schneiderin" war da einer der tragischeren Fälle: "Aus Angst vor Inhaftierung und Gewalt sind mein Mann und ich mit drei Kindern im Sommer 2011 aus Syrien geflohen. Auf der Flucht wurde es notwendig, unsere beiden ältesten Kinder, 15 und 16 Jahre alt, einem bekannten Ehepaar in Syrien anzuvertrauen", stand da zu lesen. Und die Antwort auf die Frage: "Was wünschen Sie sich für die Zukunft?" gab es auch: "Meine Kinder wieder bei mir zu haben und in Frieden leben zu können." Bei dieser Lebensgeschichte stockte so manches Lachen im Foyer des Rathauses.

(NGZ/rl)