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Neuss: Musik im Zeughaus vom Habsburger Hof

Neuss : Musik im Zeughaus vom Habsburger Hof

So ganz hat er den Absprung doch nicht geschafft. Seit Mitte der 1980er Jahre ist Torsten Johann beruflich gen Süden orientiert, aber privat und in den freien Stunden hält es ihn in der alten Heimat im Norden der Republik.

Torsten Johann ist Cembalist, schon inder Gründungsphase zum Freiburger Barockorchester gestoßen, hat mit einigen der Musiker zudem den Ableger Freiburger BarockConsort gegründet und ist mit beiden Ensembles fast die Hälfte des Jahres zu Konzerten unterwegs.

Aber wenn nicht — dann lebt er in Ostfriesland. In einem alten Bauernhaus, das er sich vor längerem gekauft hat und dafür auch einen guten Grund angeben kann: "Ich brauche viel Platz", sagt er lachend und ergänzt sofort: "Für meine Instrumente." Vier Cembali, ein Flügel, ein Spinett und ein Harmonium ("Letzteres aber nur als Dekoration") nennt Johann sein Eigen, aber genau betrachtet, sind sie nicht der einzige Grund, warum es den Musiker auf seinen Resthof zieht: "Wenn man am Meer geboren ist, will man immer wieder dahin zurück", sagt er.

Gleichwohl hat er eine Stadtwohnung in Oldenburg, von der er mit dem Zug Freiburg so gut erreichen kann, dass er selbst an Konzerttagen nicht allzu früh raus muss. Zwei bis drei Phasen im Jahr sind dabei den Auftritten mit dem kleineren BarockConsort gewidmet, zu dessen zehn Musikern unter anderem auch Hille Perl (Gambe) und Petra Müllejans (Geige) gehören. Derzeit mit einem Programm, das den Habsburgischen Hofkapellmeister Johann Heinrich Schmelzer (1623—1680) unter Leopold I. , "ein zu Unrecht heute nicht mehr so bekannter Komponist", in den Mittelpunkt rückt. Mit seinen Werken feiert Torsten Johann auch ein Wiedersehen mit dem Zeughaus-Saal — "so ein schöner kirchenartiger Raum" —, denn mit dem Barockorchester war er dort schon vor Jahren zu Gast.

Der 49-Jährige hat das Schmelzer-Programm auch zusammengestellt und konnte dabei auf eine heute bekannte Auswahl von geistlichen Werken, aber auch Bühnen- und Ballettmusiken zurückgreifen. "Das Besondere an der Musik aus dieser Epoche ist die Besetzung", sagt er, "das Orchester war noch fünfstimmig." Die Musik des Habsburgers war zumeist für einen eher intimen Rahmen gedacht. "Manche Kompositionen durften nicht einmal über Drucke verbreitet werden", erzählt Johann, "die hat der Kaiser wohl als sein persönliches Eigentum betrachtet und das Musizieren nur in seinem Umfeld erlaubt."

Info Freithof, Sonntag, 29. Januar, 20 Uhr, Karten unter Tel. 02131 404239

(NGZ/rl)