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Neuss: Musik für Herz und Seele aus dem Osten

Neuss : Musik für Herz und Seele aus dem Osten

Ronny Spiegel steht in der Konzertpause neben dem ausrangierten Schutz- und Rettungswagen. "Es ist schon so etwas wie unser Traum, mit dem Bus durchs Land zu fahren und das zu machen, was uns am meisten Spaß bereitet: Musik", sagt der Violinist des Trios "musique en route", das auf seiner ersten internationalen Tournee auch in der Alten Post Station macht.

Für den Auftritt verblüffen Spiegel, Tom Tafel (Akkordeon) und Stefanie Hess (Kontrabass) ihre zahlreichen Zuhörer damit, dass sie sich noch vier Freunde eingeladen. Ariel Rossi ist Gitarrist, Daniel Hildebrand spielt Mundharmonika, Jost Müller bedient das Schlagwerk und Rolf Brügger das Saxofon.

Ein homogener Klangkörper, ideal für die Musik, die quer durch Südosteuropa und den Balkan, von Griechenland über Ungarn, Rumänien bis nach Russland führt. Die sympathischen Musiker zaubern vom ersten Lied an eine unglaublich authentische Atmosphäre ins Kulturforum.

Der melancholische Charakter dieser Musik, sentimental und dennoch verborgen fröhlich, ist es, der das Publikum immer wieder zu ausgelassenem Beifall animiert. Zwischendurch wird erklärt und übersetzt. Ein ungarisches Lied, behauptet Ronny, hat den Titel: "Wozu die Blondinen, wenn ich die Brünetten doch so mag?"

Ein Stück von Tom Waits wird gespielt, "ausnahmsweise nicht aus dem wilden Osten". Doch "In the morning I'll be gone" passt, die musikalische Seelenverwandtschaft zum derben Amerikaner ist unüberhörbar.

Es ist spannend zu erleben, wie sich die Musiker streng an die traditionellen Vorgaben halten, und erfrischend, wenn sie fremde Werke, auf ihre ganz persönliche Art adaptieren. Die letzte, vehement geforderte Zugabe ist "szelem, szelem", ein liebevoll interpretiertes Lied über die alle unterschiedlichen Völker der Roma verbindende Wander- und Reiselust.

(NGZ)