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Neuss: Museums-Sanierung zieht sich

Neuss : Museums-Sanierung zieht sich

Bis zum Sommer dieses Jahres, so sah es ein Plan der Politik vor, sollte ein Gutachten über den Sanierungsbedarf des Clemens-Sels-Museum vorliegen und beraten werden. Das kann nun erst im Herbst geschehen.

Das Clemens-Sels-Museum steuert auf ein Großereignis zu. Im nächsten Jahr feiert es sein 100-jähriges Bestehen, und an den Plänen und Ideen für die Feierlichkeiten wird schon kräftig gearbeitet. "Museum der Zukunft" ist etwa der Titel eines Projekts für Schüler — was fast schon ironisch wirkt angesichts des Sanierungsstaus, unter dem der Deilmann-Bau leidet. Die Haustechnik, Dach, Fenster und Fassade — es gibt fast nichts, was dort nicht angepackt werden muss.

Rund 2,9 Millionen Euro wird das Gebäudemanagement Neuss (GMN) die Sanierung kosten — so viel listet ein erstes Untersuchungsergebnis auf, und darin enthalten sind nur die dringenden Arbeiten an der Heizung, der Raumlufttechnik, der Beleuchtung und dem Elektrosystem. Ein weiteres Gutachten, das sich mit dem Zustand der Gebäudehülle befasst, hat das GMN storniert, obwohl die Politik dieses mitsamt Ergebnissen bis zum Sommer dieses Jahres gefordert hatte. Hintergrund könnte ein Bürgerantrag auf Unterschutzstellung des Museums ein. Er ist bei der städtischen Unteren Denkmalschutzbehörde vor vier Monaten eingegangen. "Das Bauwerk ist in unserer Stadt das qualifizierteste öffentliche Gebäude der Nachkriegszeit", begründet der Neusser Architekt Otto Saarbourg seinen Antrag. Allerdings könne ein Antrag zur Unterschutzstellung nur vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) oder dem Eigentümer, also der Stadt Neuss, gestellt werden, erklärt Michael Kloppenburg, Pressesprecher der Stadt Neuss, und ergänzt: "Im September soll es eine gemeinsame Begehung geben."

Klares Bekenntnis gefordert

Der Vorsitzende der Freunde und Förderer des Museums, Hans-Georg Monßen, hält die Überlegungen für richtig, an dieser Stelle "das Stadtbild der 70er Jahr zu erhalten". Allerdings fordert er mit Blick auf die notwendige Sanierung vor allem "ein klares Bekenntnis der Stadt zum Museum". Das Haus sei wegen der Sanierung in die Schusslinie geraten, und deshalb geht es ihm vor allem um eines: "Das Museum muss erhalten bleiben, ansonsten verliert die Stadt ein Stück ihrer Identität."

Warum die technische Sanierung des Hauses unaufschiebbar ist, macht auch der "Havarieplan" deutlich, den das Museum aufstellen musste. Sollten nämlich immer mehr Heizschleifen ihren Dienst versagen, könnte sich das Raumklima so verändern, dass die Kunstwerke regelrecht evakuiert werden müssten. Rund 250 000 Euro würde die fachgerechte Unterbringung in einem Fremddepot jährlich kosten.

Wenn es nach dem Kulturausschussvorsitzenden Hartmut Rohmer (SPD) gegangen wäre, hätte all das heute in einer Sondersitzung der Kulturpolitiker diskutiert werden sollen. Allein die Ferienpläne vieler Politiker machten dieses Vorhaben zunichte. So können die Sanierungspläne erst in der regulären September-Sitzung des Kulturausschusses behandelt werden, "aber dann gibt es keine Chance mehr", sagt Rohmer, das Geld für etwaige Maßnahmen noch im Wirtschaftsplan der GMN für 2012 zu verankern.

Ohnehin ist er mittlerweile skeptisch, dass die umfangreichen Maßnahmen am Museum in absehbarer Zeit beginnen. Aber er fordert eine verbindliche Aussage. Da die Arbeiten nicht bei laufendem Museumsbetrieb gemacht werden könnten und das Jubiläumsjahr davon unbehelligt belieben solle, peilt er jetzt 2013 an. Zuvor erwartet Rohmer "ein klares Konzept mit Kostenberechnung und möglichen Alternativen". Dabei sieht er nicht nur das GMN, sondern auch die Kulturverwaltung in der Pflicht.

(NGZ)