Neuss: "Museum muss Nähe zur City haben"

Neuss: "Museum muss Nähe zur City haben"

Seit September vergangenen Jahres ist der SPD-Ratsherr Michael Ziege Vorsitzender des Kulturausschusses. Bislang ging die Arbeit in dem Gremium recht geräuschlos vonstatten, aber Ziege weiß auch um die wichtigen Zukunftsthemen.

So richtig hatte der SPD-Ratsherr Michael Ziege es nicht auf dem Schirm, Vorsitzender des Kulturausschusses zu werden. "Ich war nicht wirklich vorbereitet", sagt er schmunzelnd, "denn eigentlich war in unserer Fraktion klar, dass Sarah Bührt auf Hartmut Rohmer folgen sollte." Rohmer hatte im vergangenen Jahr beschlossen, den Vorsitz des Ausschusses, den er seit 2004 inne hatte, ebenso wie sein Ratsmandat aufzugeben. Bührt, die ebenso wie Ziege dem Ausschuss seit drei Jahren angehört, sollte an seiner Stelle agieren - doch dann stellte sich heraus, dass sie Neuss verlassen würde. Und damit rückte Michael Ziege vor.

"So war es", sagt Ziege, der den Schritt heute jedoch nicht bereut. Seine politischen Ambitionen haben zwar einen Dämpfer bekommen, als er bei der Wahl zum neuen SPD-Vorsitzenden Sascha Karbowiak unterlag, aber inzwischen weiß er der Niederlage auch Positives abzugewinnen: "Ich kann mich nun wirklich sehr stark um die Neusser Kultur kümmern." Nötig hat sie es. Beileibe nicht, weil es ihr an Qualität mangelt, aber sie braucht Fürsprecher und viel politische Unterstützung.

Als die Diskussion um die Annahme der Jugendstil-Sammlung sowie Erweiterung des Clemens-Sels-Museum die Kulturpolitik beherrschte, war er noch einfaches Ausschussmitglied. Mit dem negativen Ratsentscheid ist diese Sache zwar vom Tisch, aber Ziege weiß genau, dass das Museum wegen des Zustands des Deilmannbaus ein - wenn nicht sogar das - Zukunftsthema in der Kulturpolitik sein wird. "Ich finde es unglaublich wichtig, dass das Museum eine Nähe zur Innenstadt hat", meint er, denn nur so könne man die Besucher ins Haus holen und die Einrichtung für den Tourismus interessant machen. Ein Standort am Stadtrand komm für ihn nicht in Frage.

Aber der Kulturausschussvorsitzende wünscht sich auch, dass Neuss mehr für und mit Kultureinrichtungen wirbt. Dazu gehörten ausreichende Beschilderungen ebenso wie sinnvolle Konzepte.

Der 1987 in Russland geborene, in Neuss aufgewachsene SPD-Politiker besucht derzeit vor allem Veranstaltungen der Neusser Kultureinrichtungen. "Mir ist es wichtig, mich zu zeigen", sagt er, "denn dadurch zeige ich auch, dass sich die Politik für die Kultur interessiert." Allerdings ist er ganz froh, diese Besuche nicht allein zu machen: "Meine Freundin Johanna Uhlig geht oft und gern mit."

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Noch studiert Ziege Mathematik und Physik auf Lehramt an der RWTH Aachen, seit 2002 ist er Mitglied der SPD, seit fünf Jahren Stellvertreter im Stadtverbands-Vorstand. Seine neue Position will er auch nutzen, um zu moderieren: "Die Politik muss sich überlegen, welche Rolle Kultur in der Stadt spielen soll", sagt er und meint damit auch die Finanzierung, die derzeit nicht mal drei Prozent des gesamtstädtischen Etats umfasse.

Für ihn ist Kultur keine freiwillige, sondern eine Pflichtaufgabe der Kommunen - auch wenn es so nicht festgeschrieben steht. Wichtig ist ihm dabei, "auch in die Breite zu gehen", aber er ergänzt auch, dass Aushängeschilder wie Shakespeare-Festival oder Tanzwochen unstrittig nötig seien.

Dass im Kulturausschuss bislang fast geräuschlos gearbeitet wurde, führt er auf zwei Dinge zurück: "Erstens bin ich durch Juso-Parteitage gut in Sachen Änderungswünsche bei Anträgen gestählt, und zweitens gab es bislang auch keine großen Unstimmigkeiten zwischen den Parteien."

Michael Ziege sitzt zwar als Vorsitzender gewissermaßen an erster Stelle, aber freut sich darüber, dass sein Vorgänger Hartmut Rohmer die Funktion des kulturpolitischen Sprechers der SPD übernommen hat: "Hartmut Rohmer hilft mir sehr, und ich bin sehr froh über die Ämtertrennung."

(hbm)