Neuss: Münsterschule wartet auf Abriss

Neuss : Münsterschule wartet auf Abriss

Der ausgediente Schulkomplex im Quirinusviertel soll einem schicken Wohnquartier weichen – doch selbst die Bauvoranfrage ist noch nicht beschieden. Folge: Wo ein Schmuckstück geplant ist, etabliert sich ein Schandfleck.

Der ausgediente Schulkomplex im Quirinusviertel soll einem schicken Wohnquartier weichen — doch selbst die Bauvoranfrage ist noch nicht beschieden. Folge: Wo ein Schmuckstück geplant ist, etabliert sich ein Schandfleck.

Im Quirinusviertel sollen stilvolle Stadthäuser helfen, "ein Stück Altstadt" zurückzugewinnen — ein Quartier wird zum Schmuckstück. Die entsprechenden Entwürfe stammen vom Neusser Architekten Horst Hanrath (61), der vor zwei Jahren den Wettbewerb gewann. Die Zukunft erscheint süß, die Gegenwart ist trostlos: Zerschlagene Fensterscheiben, bemalte Wände, ein aufgebrochener Bauwagen, mit schwarzer Folie abgedeckte Ausgrabungen — das Gebäude an der Quirinusstraße, das einst die Münsterschule beherbergte, gammelt vor sich hin. Schandfleck statt Schmuckstück. Abriss und Baubeginn sind nicht in Sicht. Nur einer macht Mut. "Einer Genehmigung sollte nichts im Wege stehen", sagt Karl Heinz Baum (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses.

Fast zwei Jahre ist es nun her, dass Horst Hanrath den Zuschlag erhielt und mit Bouwfonds einen Investor präsentierte. Doch das Verfahren stockt. Die Bauvoranfrage wurde im Rathaus bisher nicht beschieden. Der Grund: Auf der nahen Hafenmole I produzierende Betriebe wie die Ölmühlen Thywissen und Walter Rau sowie der Lebensmittelhersteller Thomy fürchten, dass ihre gewerbliche Entwicklung gefährdet wird, weil sich Emissionen und Wohnbebauung nicht vertragen.

Nahrungsmittel-Industrie hat in Neuss Tradition; doch Gerüche und Geräusche aus dem Hafen führen immer wieder zu Konflikten. Im konkreten Fall geht es um den Schallschutz. Wie eine Lösung aussehen könnte, verriet Planungsdezernent Christoph Hölters am Donnerstag in seinem Vortrag vor der Bürgergesellschaft: Für das Werhahn-Gelände am Hafenbecken I sei eine große Glasscheibe als Schallschutz geplant. "Etwas ähnliches wie bei Werhahn" kann nach Ansicht des CDU-Politikers Baum auch die Probleme an der Münsterschule lösen. Eine Lösung, die Geld kostet. Für die Verwaltung zeigt sich auch Andreas Galland optimistisch, dass schon bald Bewegung in das Verfahren kommt. Derweil bestätigte eine Bouwfonds-Sprecherin, dass der Investor weiterhin davon ausgehe, "dass der Wettbewerbsentwurf ... realisiert wird". Derzeit erfolge eine "Abstimmung mit den Immissionsschutzbehörden".

Die Frage steht im Raum: Könnte Zeit genutzt werden, in dem das Schulgebäude bereits jetzt abgerissen wird? Bouwfonds hält sich bedeckt. Aus wirtschaftlicher Sicht mache ein Abriss erst kurz vor Baubeginn Sinn, "wenn die Absicherung der Bebaubarkeit rechtssicher ist". So lange wird die alte Münsterschule weiter vergammeln; so lange bleibt noch Zeit für Ausgrabungen aus römischer Zeit, die aber nicht "außergewöhnlich" seien — sagt Stadtarchäologin Sabine Sauer.

(NGZ)
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