Neuss: Münsterschule: Büros statt Wohnungen?

Neuss: Münsterschule: Büros statt Wohnungen?

Die Ölmühle C. Thywissen ergreift die Initiative. Sie legt eine alternative Planung für das alte Münsterschul-Areal vor und schlägt jetzt eine Gewerbe- und Büronutzung vor. Wie wird der Investor reagieren, der dort Wohnungen errichten will?

Jetzt könnte Bewegung in die jahrelange Hängepartie Münsterschule kommen. Der Ansatz: Abschied von der geplanten Wohnbebauung, die durch eine Gewerbe- und Büronutzung ersetzt wird. Das wäre auch in Augen der industriellen Anrainer der Königsweg. "Mit Büros, Praxen, Kanzleien – analog zu den Mietern im Kopfgebäude – können wir gut leben", sagt Dominik Baum. Der Geschäftsführer bei C. Thywissen versichert: "Wir sind als Neusser Unternehmen an einer attraktiven Entwicklung unserer Heimatstadt interessiert. Auch am Standort Münsterschule."

Baum signalisiert sogar Bereitschaft, sich am Projekt zu beteiligen. Er bestätigt Informationsgespräche mit dem Investor und der Stadt Neuss. Baum macht aber auch klar, dass die anliegende Industrie ein nur 150 Meter von den Industrieanlagen entferntes Wohnviertel mit allen rechtlichen Mitteln anfechten muss: "Wir müssen auch nachts produzieren und ausliefern, wenn andere schlafen. Das verträgt sich nicht und es gibt keine Bestandsgarantie für die Industrie." Aber an konstruktiven Lösungen wirke er sehr gern mit.

Vor acht Jahren zogen die Kinder der Münsterschule zur Hafenstraße ins ehemalige VHS-Gebäude. Seither gammelt der marode Schulkomplex an der Quirinusstraße vor sich hin. Dort sollen Wohnungen in schmucken Stadthäusern errichtet werden. Vor drei Jahren gewann der Neusser Architekt Horst Hanrath den Wettbewerb und präsentierte mit Bouwfonds auch einen Investor. Doch das Genehmigungsverfahren stockt seit langem. Grund: Auf der nahen Hafenmole I produzierende Betriebe wie die Ölmühlen C. Thywissen und Walter Rau sowie der Lebensmittelhersteller Thomy fürchten um ihre Existenz, weil sich industrielle Emissionen und Wohnbebauung nicht vertragen.

Was nun? Am Zug ist Bouwfonds. Der Wettbewerbsgewinner hält eine mit der Stadt abgestimmte Planung in Händen. "Ob wir unsere Option ziehen und daraus einen Bauantrag machen, weiß ich heute nicht", sagt Christoph Gaspers ehrlich. Der Leiter der Bouwfonds-Niederlassung Köln bestätigt Gespräche, in denen das Haus Thywissen eine "sehr interessante Planung" vorgelegt habe – die stammt vom Neusser Architekten Oliver Ingenhoven. Er wisse als Projektentwickler, dass sich Prozesse dynamisch verändern – mit welchem Ergebnis sei in seinen Augen offen. Sicher sei aber: "Wir lassen dieses tolle Grundstück nicht los." Für die Stadt Neuss positioniert sich Bürgermeister Herbert Napp pragmatisch: "Über gute Lösungen können wir immer sprechen."

Als möglicher Nutzer einer Gewerbeimmobilie wird die Volksbank genannt, die sich auch schon für das alte Commerzbank-Gebäude am Markt interessierte. Vorstandsvorsitzender Rainer Mellis bestätigt, sich einmal das Münsterschul-Areal angesehen zu haben: "Mehr ist aber bisher nicht geschehen."

(NGZ)