1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Münsterkonzert im Kimono

Neuss : Münsterkonzert im Kimono

Mit einem ganz besonderen Konzert, bei dem nicht die Orgel dominierte, endete der diesjährige "Orgelsommer" im Quirinusmünster. Der japanische Jugendchor Hamamatsu sang ein Requiem von Bob Chilcott.

Der freundlichen Aufforderung der Organisatoren, die Außentemperaturen von belastenden 34 Grad mit den angenehmen 22 Grad im dickwandigen romanischen Münster zu tauschen, folgten erfreulich viele Musikinteressierte – das Mittelschiff war voll besetzt. Für den in diesem Sommer geplanten Besuch des "Jugendchores Hamamatsu", mit dem seit Jahren eine musikalische Freundschaft besteht, hatte Quirinuskantor Joachim Neugart der Dirigentin der 27 jugendlichen Sänger vor einem Jahr das gerade vollendete "Requiem" von Bob Chilcott (geb.1955) vorgeschlagen.

Junko Ikuma war von diesem Plan sehr angetan, und so probten der Jugendchor und die Neusser "Capella Quirina" tausende Kilometer voneinander entfernt das eindrucksvolle, gemäßigt moderne Werk des englischen Komponisten und Arrangeurs, der viele Jahre den berühmten "King's Singers" angehörte. Die von einem spürbar ergriffenen Publikum – nach wohltuenden Momenten der Stille – umjubelte Aufführung war erst die zweite in Deutschland und die erste in NRW.

In Japan ist der 15. August traditionell der Tag des Totengedenkens – auch gilt es dann, an die verheerenden Atombombenabwürfe am 6.und 8. August 1945 zu erinnern. Grund genug, im Sommer ein Requiem aufzuführen. Auf der Orgelempore des Münsters hatten sich die beiden Chöre mit ihren Dirigenten, die Bläser der Sinfonietta am Quirinusmünster Neuss und die Solisten Sabine Schneider (Sopran) und Cézar Dima (Tenor) versammelt. Eine große Orgel, gespielt von Stefan Palm, ist für das Werk vonnöten. Deshalb fand die Wiedergabe nicht im Altarraum statt. Joachim Neugart leitete souverän durch das von suggestiver Textausdeutung geprägte Tongemälde, bei dem, wie im Requiem von Gabriel Fauré, das "Dies irae" (die Schilderung der Höllenqualen) fehlt. So ist der Grundtenor durchweg ein Tröstlicher.

Beide Chöre zeigten sich den hohen Ansprüchen vollauf gewachsen, die Bläser sparten nicht mit eindrucksvollen Soli und sattem Gesamtklang, die mächtige Seiffert-Orgel steuerte kräftige Farben bei, und die beiden Solisten glänzten mit gepflegtem Wohlklang. Der Tenor vor allem im "Agnus Dei", die Sopranistin im einschmeichelnden "Pie Jesu". Diese anspruchsvolle Komposition wäre für leistungsfähige Chöre eine empfehlenswerte Repertoireerweiterung. Die japanischen Gäste, die zum Entzücken des Publikums in ihren Nationaltrachten auftraten, machten mit intonationsreinem, glasklarem Schönklang – von ihrer Dirigentin Junko Ikuma aufmerksam geführt und von Joachim Neugart dezent an der Chororgel begleitet – zu Beginn des Programms mit einem weiteren Chilcott-Werk bekannt: der kurz gefassten, abwechslungsreichen "Friedensmesse". Deren Motto ist das Franz-von-Assisi-Wort "Herr mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens".

(oeh)