„Much Ado about Nothing“ eröffnet Shakespeare-Festival im Globe Neuss

Shakespeare-Festival in Neuss : Locker inszenierter Shakespeare-Auftakt

Die aus Halifax stammende Company Northern Broadsides in Kooperation mit dem New Vic Theatre hat das Shakespeare-Festival im Globe eröffnet – mit der Komödie „Much Ado about Nothing“.

Was kann sich Rainer Wiertz noch mehr wünschen: ein lauer Sommerabend (warm, aber nicht zu heiß), gut gelaunte Zuschauer, eine locker gespielte und inszenierte Komödie von Shakespeare – irgendwie war die Eröffnung des Festivals zu Ehren des elisabethanischen Dichters perfekt. Also ist es nicht verwunderlich, dass der Programmmacher Wiertz ebenso wie jeder sonst an der Einrichtung Beteiligter wirklich zufrieden sein kann.

Mit „Much Ado about Nothing“( Viel Lärm ums nichts)  eröffnete das Theater Northern Broadsides aus Halifax in Kooperation mit dem New Vic Theatre das Festival. Conrad Nelson hat es inszeniert, zum zweiten Mal, wie er in der Einführung mit Education-Leiterin Vanessa Schormann erklärte, und zugleich als Abschied von Northern Broadsides. Denn Nelson verlässt die englische Company und hat sich für seine Inszenierung ganz bewusst jenes Stück ausgesucht, mit dem er auch angefangen hatte.

In die 1940er Jahre hat er die Handlung verlegt, die Männer um Prinz Don Pedro von Aragon gehören der Royal Air Force an. Das eröffnet dem Regisseur und seinen Darstellern manch schönen Zugriff auf die Musik der 1940er und natürlich auf die Mode. Da greift alles wunderbar ineinander, und Nelson hat Songs wie „Don’t sit under the Apple Tree“ von den Andrew Sisters passgenau für die Stimmen der 15 Darsteller arrangiert.

Dass es auch damals schon ein bisschen arg holprig wirkt, dass ein Paar nach dem Kennenlernen schon sieben Tage später heiraten wird, dass der Bräutigam einen Tag vor der Hochzeit und vor allem sein Mentor, der Prinz, lieber den verräterischen Worten über die Braut des gerade besiegten, aber immer noch unsympathischen Prinzenbruders glauben – ist eben Shakespeare.

Nelson bleibt bei der Geschichte, spielt sie ab und scheint auch nicht zu wollen, dass die Darsteller ihren Figuren Charakter geben. Dafür haben sie sichtlich Spaß an der Komödie, spielen und sprechen mit Verve ihre Texte, so dass selbst das Aus-der-Rollen-fallen, als Robin Simpson als Benedick im Zuschauerraum Kapriolen schlägt, nur nett und irgendwie stimmig wirkt.

Überhaupt Robin Simpson: Er steht nicht unbedingt im Mittelpunkt, aber spielt sich in denselben. Wie er sich vom in Sachen Liebe und Heirat überzeugten Neinsager zum hilflos Verliebten wandelt, ist schlicht ein großer Spaß. Da gibt der Schauspieler seinem Affen reichlich Zucker, und dennoch wirkt seine Verzückung über die Entdeckung der Liebe zur kratzbürstigen Beatrice nicht peinlich, sondern eher rührend. Schade nur, dass Isobel Middleton als Beatrice da schauspielerisch kaum mithalten kann.

Diesem schlagfertigen und mit viel Wortwitz ausgestattetem Paar (das in diesem Fall durchaus angemessen älter ist) stehen die Jungverlieliebten Claudio und Hero gegenüber. Sie sind für das Dramatische zuständig, schließlich lässt Claudio dank der Intrige von Don Pedros Bruder Don John seine Hero vor dem Traualtar stehen. Woraufhin sie erst mal für tot erklärt wird. Allerdings sind Sarah Kameela Impey und Linford Johnson ein bisschen zu blass und schauspielerisch untergewichtig für ein dramatisches Gegenüber. Und Richard J. Flechter als Bösewicht fehlt nur noch das berühmte Oberlippenbärtchen, aber immerhin stimmt die Frisur...

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