Neuss: Mozarts Klaviersonate als Meisterstück

Neuss: Mozarts Klaviersonate als Meisterstück

Der junge Franzose Jean-Paul Gasparian sprang für Till Fellner beim Zeughauskonzert ein.

Das Bedauern vermutlich vieler Konzertbesucher über die Absage des österreichischen Pianisten Till Fellner war beim jüngsten Zeughauskonzert mit Sicherheit nach den "Valses nobles et sentimentales" von Maurice Ravel verflogen. Der "Ersatz", der 23 Jahre junge Franzose Jean-Paul Gasparian, Sohn eines Komponisten und einer Pianistin, zeigte bereits bei dieser Hommage an seinen Landsmann, dass er nicht nur über den technischen Hürden steht (was inzwischen bei den Pianisten zur Selbstverständlichkeit geworden ist), er wusste auch die eigenwilligen Walzerverfremdungen Ravels, die von Schubert über Weber und Chopin bis zu Léhar und Johann Strauß reichen, stilsicher und mit viel Geschmack darzustellen.

Gasparian, der als 14-Jähriger sein Studium am Pariser Conservatoire begann, mit honorigen Preisen ausgezeichnet wurde und inzwischen am Royal College of Music in London an seinem Künstlerdiplom arbeitet, stellte im Laufe des Abends drei der vier Balladen Frédéric Chopins vor. Zunächst die dritte in As-Dur, die lyrischste der umfangreichen Klavierdichtungen, dann die zweite (F-Dur) zwischen Wehmut und Leidenschaft changierende, die der Komponist seinem Freund Schumann widmete, und als wirkungsvollen Schlusspunkt des Programms die erste in g-Moll, "eine der wildesten und eigentümlichen Kompositionen Chopins", wie Schumann treffend bemerkte.

Mit seinen Balladen übertrug der sehr belesene Tonsetzer die erzählende Struktur der Gedichtform auf die Klaviermusik, da sind es Balladen seines Dichterfreundes Adam Mickiewicz. Vom Klavierspieler wird nicht nur technisch Hochkarätiges, sondern auch ausgeprägtes interpretatorisches Vermögen verlangt - und der Gast entsprach ohne Abstriche dem hohen Anspruch.

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Doch damit nicht genug. Er stellte sich auch Wolfgang Amadeus Mozart. Das ist stets ein gewagtes Unterfangen, weil man bei dieser Musik nichts verbrämen kann. Die Sonate a-Moll, entstanden 1778 in Paris, nimmt im Schaffen Mozarts eine Sonderstellung ein - gemeißelte Prägnanz der Form und wenig aufgehellte Stimmungsdichte wirken befremdlich. Genauso stellte der Künstler dieses nur im "Cantabile" des Binnensatzes ein wenig versöhnlich wirkende Opus dar.

Mit Mozarts letzter Klaviersonate, D-Dur (1789) machte Gasparian an diesem Abend sein Meisterstück. Wie er dank pianistischer Brillanz und wachem Geist die von Bach und Händel beeinflusste Synthese des galanten und des polyphonen Spiels, die dieses Werk auszeichnet, dem Hörer nahebrachte - das war großartig. Mit zwei Zugaben dankte der junge Franzose für den reichen Applaus.

(NGZ)
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